Kleine Nachtgeschichte

Mittagsschlaf

Donnerstag Nacht, fünf Uhr. Warum wir wach geworden sind, weiß ich nicht mehr. Samuel war es jedenfalls nicht, der schlummerte. Aber der Italiener wälzte sich und ich hatte eine dieser Nächte, in denen man davon überzeugt ist, im Prinzip bisher maximal zehn Minuten geschlafen zu haben, wenn überhaupt. In mir fing es an zu grollen. Kann der Italiener nicht mal still liegen? Jetzt hustet er auch noch. Und dann, es ist kaum zu glauben, steht er und will aufs Klo. Den Türknauf dreht er extra so laut, wie es nur irgendwie geht. Und gerade als ich wieder am Einschlafen bin, kommt er zurück ins Bett gekrochen. Und hustet noch mal! Mit Absicht. Kurzum, es war natürlich alles des Italieners Schuld und gleich würde bestimmt Samuel von dem ganzen Trara aufwachen. Ich jedenfalls hatte an meiner Müdigkeit ganz sicher keine Schuld, denn ich hätte ja unmöglich absehen können, dass ich definitiv vor Mitternacht ins Bett muss, wenn ich die ganze Woche um sieben aufstehen muss und Samuel erstens um drei Uhr stillen will und zweitens irgendwann um spätestens sechs Uhr eigentlich wach ist und zwar nicht weint, aber munter etwas erzählt, bis er dann nach einer Viertelstunde wieder einratzt. Und ich dann nicht mehr schlafen kann.

Ich kämpfe also schwer mit mir, dem nichtsahnenden Italiener gegenüber keine schnippische Bemerkung zu machen und begnüge mich mit genervtem Luft-zwischen-den-Zähnen-Einziehen. Draußen hat sich auch der Rest der Welt gegen mich verschworen, die Müllabfuhr kommt. Natürlich wird Samuel von dem ganzen Gerummel dann doch irgendwann wach. Ich verabschiede mich gedanklich schon mal vom restlichen Nachtschlaf, denn mittlerweile habe ich es geschafft und mich so aufgeregt, dass ich nicht wieder einschlafen können werde bis ca. 5 Minuten vor Weckerklingeln – dafür kenne ich mich gut genug. Dachte ich jedenfalls. Denn um wenigstens dem Italiener noch etwas Schlaf zu gönnen (ich Philanthrop), entscheide ich mich dazu, das Kind aus seinem Beistellbettchen zu heben und an mich zu kuscheln. Aber nicht nur er schläft dann gleich wieder ein. Auch ich werde innerlich augenblicklich ganz ruhig. Das war fast schon unheimlich. Ich muss sofort wieder eingeschlafen sein.

(Das war wohl das erste Mal, dass Samuel mir zu mehr Schlaf verholfen hat.)