Herbst in Paris I

Oder: Geschenkter Wein und heißer Tee

 
Weg zwischen noch mehr Gräbern

Der Italiener schlägt ja schon mal vor, später mal, im Alter sozusagen, Richtung Süden zu ziehen. Südfrankfreich, Spanien oder so. Ein Grund für mich, da nur mit dem Kopf zu schütteln: der Herbst. Sie sind ja alle toll, unsere Jahreszeiten. Schnee und Mützen, erste Knospen und Sonnenstrahlen, Hitze und Urlaub – ach, aber der Herbst! Mein geheimer Liebling. Das Licht! Die Blätter! Der erste heiße Tee.

Schon zum dritten Mal waren wir in diesem Herbst auf der Weinlese des Restaurants, von dem hier die Rede war: Le Melac im 11. Arrondissement. Bis der Italiener und ich zusammenzogen, wohnten wir beide in diesem schönen, ganz untouristischen Viertel und waren häufig bei Melac zu Gast. Weine über Weine, rustikale Küche und Jacques Melac, ein Original mit Schnurrbart. An der Fassade des Restaurants rankt sich Wein, der jedes Jahr mit einem kleinen Straßenfest gefeiert und gepflückt wird.

Dieses Jahr war unser Weg etwas weiter, aber er führte uns über Paris‘ größte Grünfläche: Père Lachaise.

Gräber

Mehr Gräber

Bei Melac angekommen, waren die Bänke auf der Straße voll besetzt und wir trollten uns zu anderen Spätkommern auf den Boden. Unsere jahrelange Treue zahlte sich aus und die Kellner schenkten uns nicht nur eine Flasche Wein und für stillende Mamas Wasser, sondern brachten uns auch einen Tisch und Stühle.

Wein

Füße waschen

Drei Schönheiten waschen sich die Füße, nachdem sie vorher in den Zubern Trauben gestampft haben

Vom Innenraum des Restaurants gibt’s irgendwann später mal Photos – es war viel zu voll da drin. Nachdem uns und Freunden noch eine zweite Flasche Wein geschenkt wurde,  habe ich den Italiener fast huckepack nach Hause tragen müssen. Dort haben wir dann alle drei Nachmittagsschlaf zusammen gehalten und entschlossen, den Tag auf dem Sofa ausklingen zu lassen. Mit einer Tasse heißem Tee.

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