Ein halbes Jahr Samuel

Wenn Samuel drei Wünsche frei hätte, dann:

– könnte man gleichzeitig brabbeln und aus der geliebten Flasche trinken.

– gäbe es den Umdreher nicht. Noch habe ich ihn nicht erwischt, aber wir scheinen einen so getauften Hausgeist zu haben, der das Kind ständig auf den Bauch dreht, wenn man gerade nicht hinguckt, so dass es dann furchtbar wütend rumnöckern muss.

– bliebe der Brei bis zum Ende der Mahlzeit angenehm warm.

Wenn Samuels Mama drei Wünsche frei hätte, dann:

– wären alle Nächte so gut wie die am Wochenende und keine (niemals!) so schlecht wie die heutige.

– gäbe es den Umdreher nicht.

– bliebe es abends länger hell, damit man auch nach dem Mittagsschlaf noch durch den Park schieben kann.

Sechs Monate

(Wenn Samuels Mama einen vierten Wunsch frei hätte, dann wäre es genügend Energie, jetzt ein Photo von der echten Kamera hochzuladen und nicht nur schnell eins vom Handy hier veröffentlichen.)

 

Zählt?

Sonntag wasche ich.

Montag fällt mein Blick auf den Wäscheständer und ich frage mich, warum auf den sauberen Sachen oben der Wickelauflagenbezug liegt. Den wollte ich doch waschen.

Dienstag merke ich, dass der Bezug ja gewaschen war und ich beim Aufhängen der Wäsche wohl unterbrochen worden sein muss. Dann frage ich mich, wo eigentlich das Lätzchen mit den hübschen Wolken drauf hingekommen ist, das habe ich doch neulich erst gewaschen.

Mittwoch fällt mein Blick in die Waschmaschine und ich frage mich, was das denn für Wäsche da drin ist. Sieh da, das Wölkchenlätzchen ist auch dabei. Muss ich wohl beim Wäscheausräumen unterbrochen worden sein.

Zählt Stilldemenz auch als Ausrede, wenn man nur noch nachts stillt? (Wir sind hier nämlich jetzt bei Brei und Fläschchen. Deshalb auch die Suche nach dem Lätzchen). Ich werd dann jetzt wohl die Sachen noch mal waschen. Das Aufhängen überlass ich aber wohl lieber dem Italiener. (Der hat als einzige Ausrede Samuels schlechte Nächte. Gähn.)

Kleine Nachtgeschichte

Mittagsschlaf

Donnerstag Nacht, fünf Uhr. Warum wir wach geworden sind, weiß ich nicht mehr. Samuel war es jedenfalls nicht, der schlummerte. Aber der Italiener wälzte sich und ich hatte eine dieser Nächte, in denen man davon überzeugt ist, im Prinzip bisher maximal zehn Minuten geschlafen zu haben, wenn überhaupt. In mir fing es an zu grollen. Kann der Italiener nicht mal still liegen? Jetzt hustet er auch noch. Und dann, es ist kaum zu glauben, steht er und will aufs Klo. Den Türknauf dreht er extra so laut, wie es nur irgendwie geht. Und gerade als ich wieder am Einschlafen bin, kommt er zurück ins Bett gekrochen. Und hustet noch mal! Mit Absicht. Kurzum, es war natürlich alles des Italieners Schuld und gleich würde bestimmt Samuel von dem ganzen Trara aufwachen. Ich jedenfalls hatte an meiner Müdigkeit ganz sicher keine Schuld, denn ich hätte ja unmöglich absehen können, dass ich definitiv vor Mitternacht ins Bett muss, wenn ich die ganze Woche um sieben aufstehen muss und Samuel erstens um drei Uhr stillen will und zweitens irgendwann um spätestens sechs Uhr eigentlich wach ist und zwar nicht weint, aber munter etwas erzählt, bis er dann nach einer Viertelstunde wieder einratzt. Und ich dann nicht mehr schlafen kann.

Ich kämpfe also schwer mit mir, dem nichtsahnenden Italiener gegenüber keine schnippische Bemerkung zu machen und begnüge mich mit genervtem Luft-zwischen-den-Zähnen-Einziehen. Draußen hat sich auch der Rest der Welt gegen mich verschworen, die Müllabfuhr kommt. Natürlich wird Samuel von dem ganzen Gerummel dann doch irgendwann wach. Ich verabschiede mich gedanklich schon mal vom restlichen Nachtschlaf, denn mittlerweile habe ich es geschafft und mich so aufgeregt, dass ich nicht wieder einschlafen können werde bis ca. 5 Minuten vor Weckerklingeln – dafür kenne ich mich gut genug. Dachte ich jedenfalls. Denn um wenigstens dem Italiener noch etwas Schlaf zu gönnen (ich Philanthrop), entscheide ich mich dazu, das Kind aus seinem Beistellbettchen zu heben und an mich zu kuscheln. Aber nicht nur er schläft dann gleich wieder ein. Auch ich werde innerlich augenblicklich ganz ruhig. Das war fast schon unheimlich. Ich muss sofort wieder eingeschlafen sein.

(Das war wohl das erste Mal, dass Samuel mir zu mehr Schlaf verholfen hat.)

Fünf Monate Samuel

Dieses Kind ist einfach toll.  Es lacht, grinst und guckt mit offenem Mund durch die Welt.

Schlummer

Und es schläft, wie man sieht. Einschlafen geht jetzt fast immer ganz alleine. Das sollte er lernen, damit er das auch nachts wieder hinkriegt, wenn er mal wach wird. Das klappt jedoch nur bedingt… Die Nächte sind nicht mehr so hübsch, wie sie schon einmal waren. Der Kleine wacht zwei Mal zum Essen auf und manchmal noch dazwischen einfach so. Ein bisschen habe ich mich erst damit gestresst, zu wissen, dass das in seinem Alter eigentlich nicht mehr sein muss. Und er es ja auch schon mal anders konnte und acht Stunden am Stück schlief. Ich versuche das jetzt entspannter zu sehen. Er wird schon wissen, was er wann braucht. Anders als durch Stillen lässt er sich jedenfalls nicht beruhigen, er scheint also tatsächlich Schmacht und nicht nur Bedürfnis nach Nähe zu haben (das könnte man ja auch durch Kuscheln stillen).

Eigentlich sollte Samuel mittlerweile seine Nächte in seinem Zimmer verbringen, damit dieser Umzug später mal nicht schwierig wird, wenn er schon älter ist. Mittagsschlaf hält er dort schon länger. Da weder der Italiener noch ich aber Lust haben, nachts nicht nur geweckt zu werden, sondern auch durch die Wohnung stapfen zu müssen, haben wir sein Bettchen jetzt balkonartig neben unseres gestellt. Bis vor ein paar Nächten schlief er dort in seinem Körbchen, aber das ist jetzt langsam einfach zu klein. Ein ganz schöner Brummer ist dieses Kind nämlich (aber das ist ja nichts Neues). Ob wir mit dieser Planänderung das nächtliche durch die Wohnung Stapfen nur verschoben haben, werden wir erfahren, wenn das Kind durchschläft, dann soll er nämlich wirklich umziehen.

An die Tagesmutter haben wir (beide) uns gut gewöhnt. Seit neuestem akzeptiert Samuel sogar ein Fläschchen künstliche Milch vormittags. Das kam gerade recht, denn die Milchpumperei wurde langsam anstrengend, denn der Kleine hat großen Hunger. In zwei Wochen gibt’s deshalb Brei. Er scheint dazu bereit, denn sobald wir etwas essen, wird genau beäugt, was wir da machen und der Mund geht auf. Ich hätte das auch jetzt schon eingeführt, aber das kommende Wochenende fahren wir nach Deutschland und danach ist der Papa unterwegs. Aber dann! Ich bin schon sehr gespannt, auf das Gesicht, wenn sich der erste Kürbisgeschmack im Mund ausbreitet.

Ansonsten bleibt nur wie immer festzuhalten, dass die Zeit zu schnell wegtickt… Gut, dass jede neue Entwicklung so viel Spaß macht, sonst könnte ich glatt nostalgisch werden.

Ein Jahr

Gestern vor einem Jahr aßen wir in einem unserer liebsten Restaurants zusammen mit mehreren Freunden. Was wurde mir auf einmal schlecht – und am Essen lag’s nicht. Noch dort musste ich schnell zur Toilette stürzen. Ein leiser Zweifel ließ mich am nächsten Morgen um acht Uhr aus dem Bett schlüpfen. Deutlich früher als ich sonst am Wochenende aufstehen würde.

Zwei rosa Streifen, ganz eindeutig.

Heute morgen um acht bin ich noch mal zurück ins Bett geschlüpft, um Samuel vor der Arbeit zu stillen. Im Zimmer war es dunkel, der Italiener lag warm hinter mir und schnubte gleichmäßig. Vor mir kuschelte sich der Kleine an und roch, wie eben nur unser Samuel riecht.

Ein besseres Jahr hätte ich nicht haben können.

4 Monate Samuel

…und zur Feier des Tages musste die Mama heute auf Geschäftsreise und war den ganzen Tag weg. Und, man sollte es nicht glauben, es leben alle noch und haben – von Müdigkeit abgesehen – gute Laune.

Das mit der Müdigkeit liegt daran, dass der kleine Herr im Moment äußerst bescheiden schläft. 4 mal Aufwachen pro Nacht ist nicht so schön. Und dann auch noch brüllend aufwachen. Wir nehmen an, es liegt an den vielen neuen Entdeckungen der letzten Wochen und an der ersten Erkältung, die sich eingeschlichen hat. Entdeckt wurden: Vom Rücken auf den Bauch Drehen. Laut Lachen. Und Füße. Ohja, Füße, die sind toll. Bei so viel neuen Sachen darf man auch schon mal ein bisschen durcheinander sein.

Schön bunt

4 Monate Stillen

Vier Monate Samuel gibt’s morgen und die bedeuten für mich auch vier Monate Stillen. Zwischenfazit: Fast ausschließlich toll. Ist im Prinzip Baby-Füttern für Faule. Man muss nichts einpacken vorm Spaziergang. Man muss nichts aufwärmen – besonders nicht nachts, während ein Säugling seine Hungerattacke anschreit. Man muss nichts sterilisieren. Es sei denn, man pumpt ab, aber das ist ohnehin nicht wirklich schön.

Fürs Baby ist es ja wohl ohnehin das beste. Und ganz offensichtlich auch das Leckerste. Unseren Versuch, Samuel davon zu überzeugen, vormittags bei der Tagesmutter ein Fläschchen künstliche Milch zu trinken, hat er alles andere als goutiert.

Ich kann diese Stillgeschichte nur empfehlen, aber der Ehrlichkeit halber auch von der weniger schönen Seite der Medaille berichten – die gibt es nun auch hier. Der Papa kann nur daneben sitzen. Nicht schlimm für mich, aber manchmal bestimmt nicht so schön für den Papa eben.
Von genügend Bekannten und Freundinnen habe ich gehört, dass Stillen auch weh tun kann. Vom falschen Anlegen über Milcheinschuss bis Brustentzündung – klingt alles nicht schön. Ich bin bisher davon verschont worden.
Nicht verschont werde ich von Hitzewallungen, besonders nachts. Oder in der Metro, aber da ist es ohnehin heiß. So heiß wie gestern nacht war mir noch nie, auch nicht in der Sauna. Ich hatte das auch schon gerne mal im zweiten Trimester der Schwangerschaft – aber in meiner Erinnerung war das nicht so krass. Dauert jedes Mal nicht lange, aber schön geht anders. A propos schön: Ich habe gelesen, dass die Tatsache, dass die Brüste nun nicht mehr ganz so schön sind mit der Schwangerschaft und nicht mit dem Stillen zusammenhängt. Ob das so stimmt, oder ob es die Meinung militanter Stiller ist, weiß ich nicht. Ich bin gespannt, wie das alles nach dem Abstillen aussieht. Und noch ein Punkt zum Aussehen: Still-BHs sind auch nicht das heißeste, was es gibt. Die Körpergegend ist im Moment eben eher mit dem Wort „praktisch“ belegt und nicht unbedingt „sexy“. Was wiederum dabei hilft, die Dinger auch im Park oder sonstwo in der Öffentlichkeit hervorzukramen…

Diese unschöne Seite der Medaille wiegen nicht nur die gesundheitlichen Vorteile fürs Kind auf. Mindestens genauso wichtig sind für mich die Momente, in denen ich den Hunger meines Sohns stillen kann. Die werde ich sicherlich nicht vergessen.

Edit: Ein fast vergessener Vorteil ist natürlich Schokolade. Die kann ich nämlich essen, so viel es mir gefällt. Ohne Zunehmen. Anfangs sogar mit Abnehmen.

Edit 2: Kosten! Stillen ist ganz einfach preiswerter!