Herbst in Paris II

Oder: Französisch Brunchen

Ardoise

Keine fünf Minuten zu Fuß entfernt ist ein kleiner Park, mit gewundenen Wegen, Spielplätzen und vor allem Aussicht. Ganz Paris kann man überblicken, inklusive Eiffelturm (den Blick gab’s hier vor einem Jahr schon mal). Noch besser als der Park selbst ist jedoch das Café daneben, La Mer à boire. Innen ist es schon ganz nett. Bunt mit Brettspielen zum Leihen, öfter mal Livemusik, Cartoonausstellungen an den Wänden. Die wahre Schönheit ist jedoch die große Terrasse. Der Blick ist einzigartig, es ist grün, ruhig und entspannt.

Terrasse mit Blick

Besonders Sonntagvormittage vertrödeln der Italiener und ich dort gerne, denn dann gibt es Brunch. Französisches Brunch zumindest. Denn aus Deutschland kenn ich das ausschließlich in Buffetform und war daher etwas erstaunt, als man mir das erste Mal den Teller brachte mit: Baguette, etwas Marmelade, Salat, panierter Käse, roher Lachs, normaler Käse, Schinken, Spiegelei, Fruchtsalätchen und Quarkspeise. Zugegeben, ein großer Teller. Und lecker! Aufstehen, Schlange stehen und ungelenk einen Teller festhalten während man Rührei drauflädt muss man auch nicht. Brunchbuffet hab ich in Frankreich auch sonst noch nirgends gesehen. Kommt sonst höchstens mal auf zwei Tellern nacheinander, süß und herzhaft. Mal wieder etwas, das die Franzosen eleganter gelöst haben als wir. Dem Wort nach müsste das Brunchkonzept ja aus dem englischsprachigen Bereich kommen. Jemand eine Ahnung, wie’s dort gehandhabt wird?

Richtig herbstlich sehen die Bäume auf den Photos zwar noch nicht aus, es fühlte sich aber schon herbstlich. Lag vielleicht auch an der ersten Erkältung von Samuel, die wir uns hier seitdem im Kreis reichen.

Herbst in Paris I

Oder: Geschenkter Wein und heißer Tee

 
Weg zwischen noch mehr Gräbern

Der Italiener schlägt ja schon mal vor, später mal, im Alter sozusagen, Richtung Süden zu ziehen. Südfrankfreich, Spanien oder so. Ein Grund für mich, da nur mit dem Kopf zu schütteln: der Herbst. Sie sind ja alle toll, unsere Jahreszeiten. Schnee und Mützen, erste Knospen und Sonnenstrahlen, Hitze und Urlaub – ach, aber der Herbst! Mein geheimer Liebling. Das Licht! Die Blätter! Der erste heiße Tee.

Schon zum dritten Mal waren wir in diesem Herbst auf der Weinlese des Restaurants, von dem hier die Rede war: Le Melac im 11. Arrondissement. Bis der Italiener und ich zusammenzogen, wohnten wir beide in diesem schönen, ganz untouristischen Viertel und waren häufig bei Melac zu Gast. Weine über Weine, rustikale Küche und Jacques Melac, ein Original mit Schnurrbart. An der Fassade des Restaurants rankt sich Wein, der jedes Jahr mit einem kleinen Straßenfest gefeiert und gepflückt wird.

Dieses Jahr war unser Weg etwas weiter, aber er führte uns über Paris‘ größte Grünfläche: Père Lachaise.

Gräber

Mehr Gräber

Bei Melac angekommen, waren die Bänke auf der Straße voll besetzt und wir trollten uns zu anderen Spätkommern auf den Boden. Unsere jahrelange Treue zahlte sich aus und die Kellner schenkten uns nicht nur eine Flasche Wein und für stillende Mamas Wasser, sondern brachten uns auch einen Tisch und Stühle.

Wein

Füße waschen

Drei Schönheiten waschen sich die Füße, nachdem sie vorher in den Zubern Trauben gestampft haben

Vom Innenraum des Restaurants gibt’s irgendwann später mal Photos – es war viel zu voll da drin. Nachdem uns und Freunden noch eine zweite Flasche Wein geschenkt wurde,  habe ich den Italiener fast huckepack nach Hause tragen müssen. Dort haben wir dann alle drei Nachmittagsschlaf zusammen gehalten und entschlossen, den Tag auf dem Sofa ausklingen zu lassen. Mit einer Tasse heißem Tee.

Ein Jahr

Gestern vor einem Jahr aßen wir in einem unserer liebsten Restaurants zusammen mit mehreren Freunden. Was wurde mir auf einmal schlecht – und am Essen lag’s nicht. Noch dort musste ich schnell zur Toilette stürzen. Ein leiser Zweifel ließ mich am nächsten Morgen um acht Uhr aus dem Bett schlüpfen. Deutlich früher als ich sonst am Wochenende aufstehen würde.

Zwei rosa Streifen, ganz eindeutig.

Heute morgen um acht bin ich noch mal zurück ins Bett geschlüpft, um Samuel vor der Arbeit zu stillen. Im Zimmer war es dunkel, der Italiener lag warm hinter mir und schnubte gleichmäßig. Vor mir kuschelte sich der Kleine an und roch, wie eben nur unser Samuel riecht.

Ein besseres Jahr hätte ich nicht haben können.

4 Monate Samuel

…und zur Feier des Tages musste die Mama heute auf Geschäftsreise und war den ganzen Tag weg. Und, man sollte es nicht glauben, es leben alle noch und haben – von Müdigkeit abgesehen – gute Laune.

Das mit der Müdigkeit liegt daran, dass der kleine Herr im Moment äußerst bescheiden schläft. 4 mal Aufwachen pro Nacht ist nicht so schön. Und dann auch noch brüllend aufwachen. Wir nehmen an, es liegt an den vielen neuen Entdeckungen der letzten Wochen und an der ersten Erkältung, die sich eingeschlichen hat. Entdeckt wurden: Vom Rücken auf den Bauch Drehen. Laut Lachen. Und Füße. Ohja, Füße, die sind toll. Bei so viel neuen Sachen darf man auch schon mal ein bisschen durcheinander sein.

Schön bunt

4 Monate Stillen

Vier Monate Samuel gibt’s morgen und die bedeuten für mich auch vier Monate Stillen. Zwischenfazit: Fast ausschließlich toll. Ist im Prinzip Baby-Füttern für Faule. Man muss nichts einpacken vorm Spaziergang. Man muss nichts aufwärmen – besonders nicht nachts, während ein Säugling seine Hungerattacke anschreit. Man muss nichts sterilisieren. Es sei denn, man pumpt ab, aber das ist ohnehin nicht wirklich schön.

Fürs Baby ist es ja wohl ohnehin das beste. Und ganz offensichtlich auch das Leckerste. Unseren Versuch, Samuel davon zu überzeugen, vormittags bei der Tagesmutter ein Fläschchen künstliche Milch zu trinken, hat er alles andere als goutiert.

Ich kann diese Stillgeschichte nur empfehlen, aber der Ehrlichkeit halber auch von der weniger schönen Seite der Medaille berichten – die gibt es nun auch hier. Der Papa kann nur daneben sitzen. Nicht schlimm für mich, aber manchmal bestimmt nicht so schön für den Papa eben.
Von genügend Bekannten und Freundinnen habe ich gehört, dass Stillen auch weh tun kann. Vom falschen Anlegen über Milcheinschuss bis Brustentzündung – klingt alles nicht schön. Ich bin bisher davon verschont worden.
Nicht verschont werde ich von Hitzewallungen, besonders nachts. Oder in der Metro, aber da ist es ohnehin heiß. So heiß wie gestern nacht war mir noch nie, auch nicht in der Sauna. Ich hatte das auch schon gerne mal im zweiten Trimester der Schwangerschaft – aber in meiner Erinnerung war das nicht so krass. Dauert jedes Mal nicht lange, aber schön geht anders. A propos schön: Ich habe gelesen, dass die Tatsache, dass die Brüste nun nicht mehr ganz so schön sind mit der Schwangerschaft und nicht mit dem Stillen zusammenhängt. Ob das so stimmt, oder ob es die Meinung militanter Stiller ist, weiß ich nicht. Ich bin gespannt, wie das alles nach dem Abstillen aussieht. Und noch ein Punkt zum Aussehen: Still-BHs sind auch nicht das heißeste, was es gibt. Die Körpergegend ist im Moment eben eher mit dem Wort „praktisch“ belegt und nicht unbedingt „sexy“. Was wiederum dabei hilft, die Dinger auch im Park oder sonstwo in der Öffentlichkeit hervorzukramen…

Diese unschöne Seite der Medaille wiegen nicht nur die gesundheitlichen Vorteile fürs Kind auf. Mindestens genauso wichtig sind für mich die Momente, in denen ich den Hunger meines Sohns stillen kann. Die werde ich sicherlich nicht vergessen.

Edit: Ein fast vergessener Vorteil ist natürlich Schokolade. Die kann ich nämlich essen, so viel es mir gefällt. Ohne Zunehmen. Anfangs sogar mit Abnehmen.

Edit 2: Kosten! Stillen ist ganz einfach preiswerter!

Schönes Italien

Sonne

Urlaub, ach Urlaub. Zwei wunderschöne Wochen. Jeden Tag zu dritt. Auf dem Land „wohnen“. Frühstück gemacht bekommen und draußen auf der Terrasse essen. Sonne Sonne Sonne. Ausflüge in kleine Dörfchen oder im Pool rumalbern.

In meiner Erinnerung sind es zwei goldgelbe Wochen. Wie das Licht in der Toskana: Gegen Abend wird es ganz sanft und die Landschaft noch schöner.

Gewohnt haben wir in einer kleinen Ferienwohnung des Agriturismo Villa Otium. Giulio und Maurizia bauen dort Oliven an und vermieten einige Zimmer und eine Wohnung des alten Bauernhofs an Touristen. Essen bereiten sie auch zu – und das ganz hervorragend. Wer es in der Toskana ruhig angehen lassen will, der kann dort ruhig ein paar Nächte einplanen. Pool gibt es auch. Und Aussicht.

Oliven

Aussicht

Hut

Fünf Autominuten entfernt liegt Volterra, das weniger touristisch aber genauso hübsch ist wie das vielgelobte San Gimignano (das wir natürlich auch besucht haben).

Volterra

Etruskertor

Ein bisschen gilt für toskanische Dörfer: Kennste eins, kennste alle. Macht aber nichts, sind eben alle schön. Bolgheri, Castagneto Carducci, Montecatini (Val di Cecina), Campiglia Marittima… Nicht so schön war’s in Castiglioncello am Meer. Sardinen unter Sonnenschirmen.

Strand

Samuel hat’s nicht gestört, wir sind trotzdem recht schnell wieder weiter gezogen.

Auch auf der Halbinsel Argentario waren die Strände schwer bevölkert und das, obwohl sie so schwer über geheime Trampelpfade zu erreichen waren, dass wir mit dem Kinderwagen keine Chance hatten (und ohne hätt es keinen Schatten für den Kleinen gegeben). Schade drum, die Aussicht aus dem Auto war trotzdem schön.

Argentario

Urlaub, komm bald wieder, wir vermissen Dich.

3 1/2 Monate Samuel

Kopf hoch

Ganz schön viel hat der kleine Racker schon gelernt. Sich vom Bauch auf den Rücken drehen, zu meinem Erstaunen. Andersrum geht’s nur bis auf die Seite, aber das ist mir ganz recht, denn er schläft noch in seinem kleinen Körbchen nachts. Sobald das Gedrehe anfängt wird das zu klein. Eigentlich ist die nächste Etappe dann das eigene Bettchen im eigenen Zimmer. Aber eigentlich habe ich da noch gar nicht so Lust zu. Mal abwarten.

Einschlafen geht abends ratzfatz, wenn Mama danebensitzt. Ohne Mama haben wir es bisher noch gar nicht ausprobiert, dafür ist mir der Moment viel zu kostbar, zu sehen, wie langsam die Lider immer schwerer werden bis die Augen ganz zu sind. Ganz große Entdeckung im letzten Monat und zum Einschlafen unerlässlich ist der Nucki. Meinen Finger hatte Samuel so schon seit Wochen nicht mehr zum Nuckeln im Mund, sehr zu meiner Erleichterng!

Seit gestern ganz neu: Greifen! Endlich sind die Hände nicht mehr nur zum Augenreiben und Dranrumlutschen da. Ob er wegen dieser bevorstehenden Entdeckung nachts auf einmal schlechter schlief – und jetzt wieder wie vorher – oder ob es daran lag, dass er seit letzter Woche morgens drei Stunden bei der Tagesmutter ist? Alleine einschlafen klappte tagsüber jedenfalls schon mal besser (aber auch schon mal schlechter).

Die Sache mit der Tagesmutter klappt eigentlich ganz gut, bis auf eine Ausnahme: Essen. Fläschchen mit Wasser und auch schon mal mit etwas abgepumpter Milch liefen immer ohne Probleme. Auf einmal ist es das große Drama für Samuel, meine Milch aus dem Fläschchen zu trinken. Von künstlicher Milch gar nicht zu reden, da macht er ein Gesicht, als würde man ihm Zitronensaft anbieten. Nachdem es seit Ende letzter Woche bei der Nounou eigentlich schon (wenn auch unter etwas Protest) geklappt hat, verweigert Samuel jetzt vormittags einfach das Essen und wartet lieber, bis ich ihn abhole. Sind sieben Stunden ohne Essen zu lange für ein Dreimonatiges? Insgesamt kommt er so auf die für sein Alter vorgesehenen fünf Mahlzeiten pro 24h, eine davon um 4 Uhr morgens. Ich pumpe trotzdem weiterhin ab (auch wenn die kostbare Milch dann leider im Ausfluss landete), das mit der Flasche sollte er ja eh früh oder später lernen. Erst recht, da ich in anderthalb Wochen den ganzen Tag arbeiten muss. Wir werden also auch am Wochenende versuchen, ihm das Fläschchen zu geben. Das stresst mich etwas – ansonsten bin ich recht entspannt auf der Arbeit. Vor allem da die Tagesmutter sehr lieb zu sein scheint. Wenn er zum Beispiel ohne Hilfe nicht schlafen will, steckt sie ihn in die Babytrage und lässt ihn da schlummern.

Nicht mal mehr zwei Wochen und Samuel wird schon vier Monate alt sein. Kann jemand mal bitte die Zeit anhalten? Gerne auch rückwärts drehen!