Von Geburt, Bio und foie gras

Nebenan hat ein Biomarkt aufgemacht, ab und an geht der Italiener dort mal einkaufen und lässt, wie sollte es anders sein, viel Geld dort. Ich bin etwas sparsamer, greife dazu eher mal zu Bioprodukten im Supermarkt, die gibt es hier auch seit vielleicht zwei oder drei Jahren vermehrt. Ein wenig kommt die Biowelle also auch hier an, was ich begrüße – aber die gleichen „Ausmaße“ wie in Deutschland nimmt das Ganze noch nicht an, und wird es meiner Meinung nach auch nicht. Ich denke, weil Franzosen ohnehin schon darauf achten, gut zu essen. Wie „gut“ nun zu definieren ist, unterscheidet sich im Vergleich zu Deutschland eben. Bio-Gänsestopfleber würde z.B. in Deutschland wohl wenig Käufer finden – hier ist foie gras geradezu eine Auszeichnung für gutes Essen, um ein Beispiel zu nennen. Als ehemalige Vegetarierin kommt das jedoch zumindest nicht auf meinen Teller.

Wie natürlich ein Produkt zu ist, scheint hier eher aus kulinarischen Gründen wichtig zu sein, als aus – tja, was: moralischen? gesellschaftlichen? gesundheitlichen? wie in der Heimat. Solche stehen allenfalls an zweiter Stelle (denn selbst wenn die Gänsestopfleber nur vom Bauer des Vertrauens kommt, kann es nicht viel mit Verantwortungsbewusstsein zu tun haben). Generell scheinen die Franzosen eher auf das Ergebnis als auf den möglichst natürlichen Prozess Wert zu legen.

Biofrühstück

Mein Frühstück heute morgen. Nicht im Bild: Der dazugehörige Bioyoghurt aus dem Supermarkt. Die Orange musste ihre Haut ein paar Tage vorher übrigens für ein sehr empfehlenswertes Rezept lassen.

Ein weiteres Beispiel ist das Verhältnis zum eigenen Körper. Apotheken finden sich hier an jeder Ecke (das ist fast wörtlich zu nehmen). Schon bei einer normalen Erkältung nimmt der Franzose gern mal Antibiotikum. Homöopathische Mittel stoßen ungefähr auf die gleiche Aufmerksamkeit bei ihm wie Bio-Produkte. Meine Erfahrung mit kranken Franzosen: Anstatt viel Trinken und warme  Füße lieber mindestens Paracetamol. Also nicht, dass ich nicht auch Medikamente nehmen würde, wenn ich erkältet bin. Aber ich versuch es erst mal mit Hühnersuppe. Und Antibiotikum echt nur, wenn kein Weg mehr dran vorbeizuführen scheint.

Wenn ich an meine nun ja erste Geburt Ende Mai denke, dann weiß ich natürlich nur aus Erzählungen und nicht aus eigener Erfahrung, was mich erwartet. Keine Ahnung, wie ich darauf reagiere und wie mein Körper sich anstellen wird. Mein Plan ist also, es zu halten wie mit einer Erkältung (auch wenn der Vergleich etwas hinkt): Erst mal natürlich versuchen. Und wenn ich damit nicht zurecht komme, sind mir PDA und  Co. willkommen. In einem Interview mit der dienstältesten deutschen Hebamme, das vor langem mal in der Zeit veröffentlicht wurde, sagt sie über heutzutage gebärende Frauen: „Wie schade, wenn das erste Gefühl, das sie mit der Geburt, mit ihrem Kind verbinden, Scham ist. Ich muss im Kreißsaal immer öfter trösten: »Keine Frau versagt bei der Geburt.« Eine Geburt ist doch kein Selbstzweck. Das Ergebnis ist wichtig, das Kind.“

Ergebnis statt Erlebnis, ein wenig halte ich es da mit den Franzosen. Schade nur, dass diese Denke hierzulande leicht ins Übermedikalisieren kippt. Eine PDA beispielsweise ist, so wie ich es bisher mitbekommen habe, für die meisten Frauen eher Standard als Option. Ich habe ein Krankenhaus ausgesucht, das Wert darauf legt, den natürlichen Aspekt der Geburt zu betonen. Dennoch kamen im letzten Jahr dort 500 Kaiserschnitte auf insgesamt 2500 Geburten. Das Krankenhaus unterstreicht Dinge wie: Das Kind darf nach der Geburt erst mal auf Mutters Bauch liegen bleiben, bevor es gewogen wird. Gewaschen wird es erst nach ein oder zwei Tagen. Oder: Wir versuchen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, damit das Stillen klappt. Für mich eher Selbstverständlichkeiten. Ich bin sehr gespannt, wie das alles laufen wird. Und bis dahin freuen wir uns schon mal auf das Ergebnis.

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7 Gedanken zu „Von Geburt, Bio und foie gras

  1. 20% Kaiserschnitte liegen in Frankreich im Durchschnitt, und deutlich unter dem Durchschnitt in Deutschland… allerdings über den Empfehlungen der OMS und den Quoten in NL und Skandinavien, wo die Sterblichkeit deutlich geringer ist als weiter südlich.

    Gerade in der Geburtshilfe haben die Franzosen übrigens wesentliche Schritte Richtung Homöopathie gemacht, die mittlerweile zu den Fortbildungsthemen für Hebammen gehört (als unser Blondlöckchen sich ankündigte, hatten die Hebammen das alle gerade gelernt). Und es gibt wohl keine Apotheke, die nicht ein recht gut sortiertes Homöopathieregal hätte.

    Dein Ansatz ist schon richtig. Nur daß im Gegensatz zur Erkältung Schwangerschaft und Geburt keine Krankheit sind. ;)

  2. Hallo Wolfram, wo dans la lorraine seid ihr denn? wir wohnen jetzt 54 und vielleicht kann ich ja bei Nr. 3 von Euren Erfahrungen profitieren :)
    @Lisette, ich schweige lieber zu Pariser Krankenhaeusern bzw Maternites… doch einen Rat vielleicht noch-wenn irgendwie moeglich sorg dafuer dass Dir jemand Vertrautes, der Erfahrung mit Stillen und Babies hat (Mutter,Schwester, Tante oder so) im Krankenhaus zur Seite steht. Ich waer sonst grad bei Nr.1 verzweifelt (und das Krankenhaus nannte sich auch stillfreundlich *grummel)

    • Danke für den Tipp, eine gute Bekannte hat vor ein paar Wochen entbunden und stillt, vielleicht kann die mir mit Rat (und Tat?) beiseite stehen, falls es schwierig werden sollte.

      • Wenn sie Dir zeigen kann,wie Du Dein Kind richtig andockst, ist das ne gute Idee. Auf die puericultrice wuerd ich mich nicht verlassen, fuer die ist es weniger Arbeit, wenn Du Flaeschen gibst und fuer 4 Monate lohnt sich der Aufwand mit Stillen ja nicht…(Stillen ist nix naturgegebenes, beide, Mutter und Kind muessen es erst lernen). Gewichtsabnahme von bis zu 10% des Geburtsgewichts ist normal, wird aber hier gern als Argument zum Zufuettern genutzt…Ich hab nach 4Tagen in der maternity heulend meine Mutter angerufen und sie hat sich in den naechsten Zug gesetzt. War ich froh. :)

    • Blondlöckchen ist in Saint Dié (88) zur Welt gekommen, übrigens mit ungeplantem Kaiserschnitt. Der Dickschädel wollte den Kopf nicht neigen… ;)
      Auch Saint Dié ist als stillfreundlich ausgezeichnet, aber die alten Reflexe sind bei vielen Hebammen und Säuglingsschwestern wohl noch drin. Wiegen vor und nach dem Stillen und solcher Blödsinn…

      In 54 kenne ich mich mit den Krankenhäusern weniger aus. Aber wenn’s hier eng wird, geht ganz schnell ein Krankenwagen auf die Schnellstraße nach Nancy.

      Tip ganz allgemein: La-Lèche-Ligue. Die gibts in der Nähe quasi aller größerer Entbindungsstationen.

      • Ja hier auch. LLL war inParis nicht sonderlich hilfreich da voellig ueberlastet (Termin in 2 Monaten…). Muss mal schauen wo 88 liegt, wir sind fast direkt Nancy.

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