21. Woche oder Halbzeit

In Sachen Schwangerschaft sind die Deutschen und Franzosen sich mal ein wenig einig: Alle freuen sich, der Bauch wächst und am Ende ist ein kleines Kind da. Und wir freuen uns, sehr sogar! Gewünscht war es und es hat sich nicht lange bitten lassen. Am Anfang war ich etwas überrumpelt, trotz aller Freude. Jetzt rundet sich hier so langsam alles und das Kindchen entdeckt seinen Spaß daran, sich tüchtig zu bewegen. Seit heute hoch im Kurs: Mamas Blase treten. Und damit wird dann auch für die Mama selbst alles ein wenig greifbarer.

by Katja Sievers - gestaltungs.art

Ein paar Unterschiede gibt es in Frankreich dann natürlich doch. Zum Beispiel gibt’s nur einen Ultraschall pro Trimester, das ist in Deutschland, glaube ich, anders geregelt. Der erste mit 13 Wochen. Erst fand ich’s doof, mittlerweile aber ganz entspannend. Vor jeder Untersuchung bin ich doch immer etwas unruhig – ist auch wirklich alles gut da drin? Weniger Untersuchungen bedeuten für mich weniger Unruhe. Ist vielleicht nicht logisch, aber ist eben so. Den Ultraschall macht auch nicht meine Frauenärztin, dafür fahr ich zur Radiologie. Genauso mit den Blutuntersuchungen, dazu geht’s zum Labor. Die Frau Doktor seh ich aber ohnehin nach dem 6. Monat nicht mehr, dann sind alle Vorsorgeuntersuchungen in der maternité, also dem Krankenhaus, in dem ich entbinden werde (und zur Geburt taucht sie auch nicht auf, obwohl sie dort Belegbetten hat). Für das Krankenhaus mussten wir uns auch schon direkt nach Testergebnis anmelden, sonst sieht das düster aus, noch einen Platz zu bekommen. Was in so einem Fall passiert, ist mir nicht ganz klar (man wird wohl nicht auf der Straße entbinden müssen?!) – aber ich war glücklich und hab einen Platz in meiner Wunschmaternité bekommen. Wobei ich zugeben muss, dass ich, gerade mal in der 6. Woche, eigentlich noch etwas überfordert war, mir wirklich Gedanken darüber zu machen, wo und wie ich entbinden will.

Noch ein Unterschied: Während das Kind nach deutscher und italienischer Rechnung am 29. Mai kommen sollte, wird in Frankreich anders erwartet – hier ist der Termin erst der 5. Juni. Ob Franzosen schon im Mutterleib lange Strümpfe anhaben? Mal sehen, wie sich unser Kind entscheiden wird. Auf dem Papier wird es ohnehin erst mal halb Deutscher, halb Italiener sein. Mit 18 darf es dann Franzose werden, wenn es möchte und sich noch eine Zusatznationalität aussuchen. Ich denke mir schon mal ein paar Bestechungsmittel aus.

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18 Gedanken zu „21. Woche oder Halbzeit

  1. Ja herzlichen Glückwunsch! Das sind ja gute Nachrichten. Lustig, dass die Franzosen anders berechnen – aber der/die Kleine kommt sowieso wenn er/sie es für richtig hält :-)
    In Deutschland gibt es meines Wissens auch nach wie vor drei von der Kasse bezahlte Ultraschalluntersuchungen. Nur für so genannte „Risikoschwangerschaften“ zahlt die Kasse mehr Untersuchungen. Viele machen aber mehr Ultraschall und zahlen die selbst. Möglicherweise wird das Risiko hierzulande auch höher eingeschätzt. Liebe Grüße an die Seine.

    • Ja, da hast du Recht – ich habe irgendwo gelesen, dass nur 4 % der Babies am errechneten Termin kommen…
      Das mit den bezahlten Ultraschallen kann natürlich sein. Risiko wird hier genauso eingeschätzt. Die Franzosen neigen sehr dazu, alles zu medikalisieren. Aber dazu in einem späteren Beitrag mal mehr :) Liebe Grüße an den Rhein!

  2. Hach, schön, was ich mich freue!
    Die Deutschen haben mehr Angst, drum wird auch mehr geschallt. Eigentlich monatlich, wenn man nicht abwehrt. Gibt es eigentlich auch Geburtshäuser? Und feste Hebammen, die von der Schwangerschaft, über Geburt bis zum Wochenbett begleiten?
    Das klingt dich alles sehr schön. Und ach, die Blase, die muss noch ein bisschen herhalten. Irgendetwas wird immer mit Füßen getreten.
    Mach weiter so! (Und die Liedchen nicht vergessen!)

    • Liedchen gibt es regelmäßig – noch kann es sich ja ob meiner Gesangs“künste“ nicht wehren (obwohl, vielleicht ist das mit der Blase ja tatsächlich Absicht?).
      Hebammen gibt es. Aber, so wie ich das einschätze, sind die vor allem im Krankenhaus für Vorsorge und Geburt eingestellt. Selbstständige kümmern sich eher um das Wochenbett und gibt es generell nicht so viele wie in Deutschland, würde ich zumindest so schätzen
      Mit den Geburtshäusern scheint das hier noch in der Experimentierphase zu sein – anscheinend (so sagt mir Wikipedia) waren sie bis 2010 nicht zugelassen und nur ein paar Versuchsprojekte waren gestartet. Ich habe hier jedenfalls noch nie davon gehört und alle Bekannten haben in den so genannten maternités entbunden. Das sind zwar Krankenhäuser mit OP-Saal usw., sie sind jedoch auf Schwangerschaft und Geburt spezialisiert, andere Abteilungen gibt es dort nicht.

    • Unser Lockenschopf kam im Krankenhaus zur Welt, in der Geburtsabteilung (die heißt denn auch maternité) – aber wir sind ja nicht in Paris, sondern im Rest der Welt. ;) Haben wir eigentlich elektrischen Strom und fließendes Wasser? *grins*
      Wir hatten auch nur deshalb eine immer gleiche Hebamme bei den Untersuchungen im Krankenhaus (vom ersten Monat an), weil wir immer am selben Wochentag kamen, und da hatte sie nun mal Vorsorgedienst. In der Geburt waren es dann drei verschiedene.
      Geschallt wurde dreimal, von einem der Gyns im KH. Der hat in den drei Terminen keine dreißig Worte gesagt – aber mal eben den ET um 14 Tage nach vorn verschoben. „Ja, sagte die Hebamme und korrigierte das zurück, er ist Elsässer. Die sind von anderer Schule.

      Die Franzosen sind eigentlich die, die immer alles überriskant finden, ständig Antibiotika schlucken und einen alle Naslang zum Arzt schleifen. Auch die größten Konsumenten europaweit von Psychopharmaka, warum wohl?

      Lisette, mach dir keinen Kopf um den ET, je später je besser: sonst kommen sie viel zu früh an und quälen dich, weil sie einleiten wollen. Hier in der Provinz geht eh die Mär, daß spätestens sechs Monate zuvor im Pariser Bereich die Geburtstermine fest eingetragen werden, ob die Geburt beginnen will oder nicht…

      • Ja, da stimme ich Dir zu: Die Franzosen sind eigentlich eher die, die alles übermedikalisieren wollen, darüber folgt im Lauf dieser Schwangerschaft vielleicht noch der ein oder andere Post.

        Und wegen Termin und Einleitung hatte ich die gleiche Reaktion wie Du: umso geringer das Risiko, eingeleitet zu werden.

      • Ueber franzoesische schwangerschaften koennte ich einen roman schreiben…und der waer nicht schoen.ich hoff mal das alsace ist jetzt anders als paris :) @lisette in pariser maternite wird 4 tage nach et eingeleitet, komme was wolle.schau mal bei der zeitschrift emotion unter suchwort frankreich („ich bin doch keine milchkuh“) kann leider grad nicht verlinken. der artikel trifft es zu 100%. biz

      • Ich bin ja nicht im Elsaß, sondern in Lothringen; nur Dr. Ringele ist aus dem Elsaß. ;)

        Keine Schauergeschichten, nur viele gute Wünsche!

      • Hi Rina! Den Artikel les ich mir wohl besser erst nach der Schwangerschaft durch, so wie das klingt ;) Man hört ja als Schwangere allerhand Negatives, das versuch ich möglichst zu vemeiden und die Zeit zu genießen.
        Eine Freundin von mir wurde 8 Tage nach ET eingeleitet, in Paris. Hängt wahrscheinlich von der maternité oder der Schwangerschaft ab…

  3. Was für Neuigkeiten nach der langen Sendepause!
    Über Ultraschallm Maternité und so kann ich nun wirklich nicht mitrenden. Aber ich freue mich für dich.
    Herzliche Grüsse
    Bea

  4. Oh! Da freue ich mich aber ganz dolle mit Ihnen mit über den kleinen Bauchbewohner!! Und ich bin schon ganz gespannt, auf die weiteren Berichte über die „französische Schwangerschaft“.
    Bei mir hat die Frauenärztin auch in allen Schwangerschaften bei jeder Vorsorge einen Ultraschall gemacht. Warum weiß ich bis heute nicht (und wie sie das abgerechnet hat weiß ich auch nicht, denn ich habe nie was extra dafür bezahlt – ich hätte auch mit weniger „Baby-TV“ leben können!!).
    Tja, die Tritte in/auf die Blase….in 20 Wochen wirds wieder besser! ;)
    Liebe Grüße von Frau Q!

  5. Und das sagst du jetzt erst?! (Und ich les‘ es auch noch erst fünf Tage später…!)

    Ich freu‘ mich sehr und wünsche euch alles, alles Gute!

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