De la coiffure


Als Kind hatte ich lange Haare, war aber viel zu sehr mit Rollschuhen und Co beschäftigt, um das überhaupt wirklich wahrzunehmen. Mit zwölf Jahren klopfte dann die Pubertät an: Die Haare mussten ab. Mit meiner Mutter bin ich zum Dorffriseur (so mutig, dort allein hinzugehen, war ich noch nicht). Wie komisch das beim Kämmen war, als die Bürste plötzlich ab dem Kinn nichts mehr zu tun hatte.

Lange blieb der Bob nicht und ein paar Jahre später reichten die Haare mir bis zur Hüfte.
Dann aber, im Studium, änderte sich so einiges. Mit dem langjährigen Freund lief es nicht mehr, wie es sollte. Diese Erkenntnis und die sich andeutende Veränderung machte sich rein äußerlich durch (eine) neue Frisur(en) bemerkbar. Erst zaghaft wieder bis auf Kinnlänge – und als es dann mit dem Freund vorbei war und die Planung meines Auslandssemesters in Paris Formen annahm, wurden die Haare um einiges kürzer, bunter und…nicht immer zu meinem Vorteil. Aber das war egal.

Immerhin sehe ich deshalb aber auch heute noch auf meinem Pass Navigo, dem Monatsticket der Pariser Metro, vielleicht ein wenig französisch aus:

Die ersten Monate in Paris waren so chaotisch, wie ich mir das gewünscht hatte. Da gab es neue Freunde aus aller Herren Länder. Mehrmaligen Liebeskummer für denselben Franzosen. Die Entscheidung, statt sechs Monaten lieber 18 Monate zu bleiben und das Studium zu Hause zu pausieren.
Da es ja schon in Deutschland nicht einfach ist, mit der Frisur aus dem Salon zu kommen, die man sich anfangs vorgestellt hat, färbte ich einfach selbst. Das klappte so lange ganz gut, bis ich wieder zurück zu blond wollte und scheckiges Neonorange dabei rauskam. Kurz zuvor hatte ich den Italiener kennen gelernt – er machte das beste daraus und nannte mich la mia carotina.

Vielleicht war es diese Erfahrung (oder die Trauer um die 96 Euro, die ich am Tag danach beim Coiffeur ließ, um wieder so auszusehen wie vor der Färbeaktion) oder etwas Beständigkeit, die anschließend in mein Leben einkehrte – aber ich ertappte mich dabei, Frauen mit langen Mähnen zu beneiden…

Mittlerweile sind sie also wieder lang und sogar naturfarben. Anfang des Jahres, kurz bevor ich das Blog hier eröffnete und entschloss, den Job zu wechseln, habe ich zur Bastelschere gegriffen und mir einen Pony geschnitten.

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5 Gedanken zu „De la coiffure

  1. Ach ja, die Haare und die Psyche. Wenn Haare reden könnten … die hätten was zu erzählen. Warum es wohl immer die Haare ausbaden müssen, wenn ein Zeichen gesetzt werden muss?! ;-)

    • Das weiß ich auch nicht – ein neues T-Shirt oder fancy Nagellack scheinen in manchen Fällen einfach nicht zu reichen.
      Ich bin nur ganz froh, dass es kein Tattoo oder ne schmalere Nase oder größere Brüste geworden sind (abgesehen vom Tattoo vielleicht stand das aber auch nie zur Debatte). Haare verzeihen Geschmacksverirrungen da schon eher.

      • Die Haare sind da schon die richtige Adresse. In manchen Glaubenswelten sind sie sowas wie die Antennen zum Universum. Und wer weiß, vielleicht müssen sie in so einer Wandelsituation gestutzt und neu ausgerichtet werden, die Antennen meine ich. ;-)

    • Danke für das Kompliment – ich werd’s mir für den Fall merken (gut, dass der Italiener hier nicht mitliest). Praktischer war es allemal!!

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