Macht Musik!

Wenn Ihr hier jetzt mit mir in den 37 Pariser Quadratmeter säßet, nur so für ein paar Sekunden, dann wäre Euch auch klar, dass heute ein Artikel über die Fête de la Musique geschrieben werden muss. Klar, heute ist die Fete ja schließlich auch, werdet Ihr mir antworten wollen.

Berichten könnte ich darüber aber natürlich auch noch morgen. Doch welche Geräuschkulisse eignet sich schon besser dazu, davon zu erzählen, dass heute in 360 Städten weltweit Musiker auf Straßen und Plätzen stehen und spielen, als: ein Jazz-Saxophon von ziemlich weit weg, der Bass von House-Musik ziemlich nah bei, unerklärliches Geschepper von irgendwo mittig und immer mal wieder vom Wind rübergewehte Frauensingstimme? Auf unsere 37 Quadrat kommen insgesamt 9 Fenster (und davon sind nur zwei ansatzweise isoliert)…

1982 hat der damalige Ministre de la Culture Jack Lang zum ersten Mal die Idee umgesetzt, Amateur- und Profi-Musikern die Möglichkeit zu geben, zu spielen – wo immer sie mögen. Von Frankreich aus ging die Idee um die Welt und viele machen mit. Ein schönes Beispiel dafür, wie einfach Politik manchmal sein kann. Der Titel des ganzen ist übrigens sehr schön gedichtet, denn das mitklingende Faites de la Musique heißt übersetzt Macht Musik!

Die Wahl des 21. Juni ist natürlich ziemlich romantisch, so von wegen kürzeste Nacht des Jahres, Sommeranfang usw. Richtig praktisch finde ich es aber nicht, ein Wochenende wäre doch irgendwie günstiger. Dass ich heute Nacht wohl nicht unbedingt früh in den Schlaf finde, ist ja nicht so tragisch. Aber ich muss gestehen: Ich bin ziemlich groggy von der Arbeit und wie ihr seht, sitze ich zu Hause und tanze nicht durch die Nacht.

Vielleicht werde ich einfach alt. Mit der Fête de la Musique jedenfalls hat es nichts zu tun, dass ich zu Hause geblieben bin. Denn jedes Mal, wenn ich am 21. Juni hier unterwegs war, hat es mir ganz gut gefallen. Sehr viele verschiedene Musikstile, Teilnehmer fast jeden Alters und jeder Qualität. Mit ein paar Freunden durch die Straßen ziehen, ein bisschen Süßes, Fettiges und Alkoholisches verdrücken und Musik hören – daran ist nichts falsch. Das einzig Schwierige: Sich entscheiden, ob man weiter geht zur nächsten improvisierten Bühne oder lieber noch etwas länger bleibt (ok, manchmal ist auch sofort klar, dass man lieber erst gar nicht anhält…).

Ich werd jetzt trotzdem lieber erst mal duschen und danach noch etwas lesen. Aber unter der Dusche, da kann ich ja ein bisschen mitmachen bei der Fête de la Musique. Dort darf sogar ich singen, das ganze Jahr lang!

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Ein Gedanke zu „Macht Musik!

  1. Davon habe ich gestern im Radio gehört, auf der Autobahn, bei Funkhaus Europa – allerdings vom Frankreich-Export. Die Berliner haben gestern nämlich auch fête de la musique gefeiert und viel Musik gemacht in der ganzen Stadt.
    Wäre ich gerne auch mal dabei. Wünsche einen schönen Tag.
    Das ist übrigens eine Sache, die ich am Kölner Karneval sehr gerne leiden mag: Dort darf ich in aller Öffentlichkeit laut singen und keiner dreht sich empört weg ;-)

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