Fischekleben

Es ist der 1. April.

(Ihr dürft mir aber trotzdem glauben) Und, wer hätte es gedacht, die Franzosen brauchen natürlich auch heute wieder eine Extra-Wurst. Oder besser gesagt einen Extra-Fisch. Man würde ja normalerweise mit einem Extra-Baguette oder Extra-Rotwein (immer gut) oder einem Extra-Schoko-Croissant rechnen. Aber so einfach isses natürlich auch nicht.

Die Franzosen, genauer gesagt die Kinderfranzosen, versuchen sich heute gegenseitig Papierfische auf den Rücken zu kleben.

Wer einen Fisch aufgeklebt bekommt, ohne dass er es merkt, der ist dann der poisson d’avril, der Aprilfisch (und das ist offenbar keine gute Sache). Man munkelt, denn genau weiß es niemand, die Tradition gehe aufs 16. Jahrhundert zurück. Damals wurde angeblich der Kalender so umgestellt, dass fortan nicht mehr der 1. April, sondern der 1. Januar den Jahresbeginn markiert. (Alle Frankreich-Erfahrenen wissen natürlich, dass dies gar nicht stimmen kann, denn das neue Jahr beginnt  hier am 1. September, zur rentrée, also dem Ende des Sommerurlaubs – aber das ist eine andere Geschichte, die erst in fünf Monaten erzählt werden will.)

Jedenfalls gab es also nach der damaligen Kalenderumstellung jene, die dem alten Jahresbeginn nachtrauerten (ähnlich der Nostalgiker von Franc und Mark heute). Und um sich über diese Leute lustig zu machen, schenkten ihnen fortschrittliche Witzbolde falsche Fische. Fische wohl deshalb, weil sie zu jener Zeit tatsächlich als Art Frühlingsritual verschenkt wurden, denn Fleisch war zur Fastenzeit, in die der 1. April meist fällt, nicht drin.
Aprilscherze erzählen sich die Franzosen zusätzlich (auch die Medien machen mit). Statt hinterher jedoch ein triumphierendes avril, avril ! auszurufen, sagen sie dann poisson d’avril.

Irgendwie schade, dass das Fischekleben hingegen nur den Kindern vorbehalten ist. Gerade in den letzten beiden Wochen würde mir so mancher einfallen, dem ich gern einen Fisch auf den Rücken pappen möchte (dem Chef zum Beispiel oder der Zicke aus der Metro (die mir heute morgen auf die neuen Schuhe getreten ist und dann noch böse geguckt hat) oder zeitweise auch dem Italiener). Und dann aber auch gerne einen echten…

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2 Gedanken zu „Fischekleben

  1. Ja, die Franzosen und die Poissons… Aus verlässlicher Quelle weiss ich, dass man sie auch ziemlich aus dem Konzept bringen kannn, wenn man zum Café au lait anstelle eines Croissants einen Poisson bestellt. Dabei ist es doch wirklich fast dasselbe ;-)

    • Hihi, das erinnert mich an jemanden… In der Normandie übernachtete ich in einem Hotel, die Dame am Empfang entschuldigte sich drei mal dafür, dass es zum Frühstück keine Poissons gäbe. Ich wunderte mich und dachte aber schließlich, dass man ja auch Meer sei, vielleicht äßen die verrückten Franzosen hier zum Frühstück Fische. Vielleicht hätte ich mir aber auch einfach die Ohren besser waschen / genauer hinhören sollen. Frühstück ohne Croissants is nämlich nicht halb so lecker.

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