Des médecins

Eine Woche war es letztlich nur.

Montag dieser Woche kam dann die erlösende Email, auf die im vorletzten Beitrag noch gewartet wurde. Gestern habe ich also gekündigt und wechsle somit in einem Monat die Arbeit. Und, oh, darüber freu ich mich gar sehr!

Die Erkältung vom Wochenende hat sich während der ganzen Aufregung freundlicherweise noch etwas zurück gehalten, allerdings nur, um jetzt richtig anzukommen. Wie kann man eigentlich jedes Mal nach einer Erkältung vergessen, wie blöd Halsschmerzen sind und nichts auf Vorrat dagegen im Hause haben? (Und wieso hab ich meinen Sportplan zur Stärkung der Abwehrkräfte diesen Winter wieder nicht durchgezogen?) Ich war also gerade in der Apotheke meines Vertrauens, um Halspastillen zu besorgen. Letzten Sommer hat die Dame dort meine vermeintlich entzündeten Mückenstiche als Bettwanzenbisse entlarvt, im Gegenzug schenkte ich ich ihr mein Vertrauen und kaufte ihr eine Cortisonsalbe ab. Und wenn man die Dame lieb anguckt, dann bekommt man zum Beispiel die Pille auch ohne Rezept. Übrigens, man kann ja nie wissen – die Pille Danach gibt es in Frankreich einfach so in der Apotheke zu kaufen. (Das weiß ich Gott sei Dank nicht aus eigener Erfahrung)

Eine Erkältung ist für mich ohnehin nicht unbedingt ein Grund, zum Arzt zu gehen. Aber in Frankreich muss sowieso einiges passieren, bevor ich da freiwillig hinginge. So sehr ich mich in Frankreich auch eingelebt fühle: Die raren Male, die ich hier beim Arzt war, fühlten sich einfach so anders an. Da ist zum einen natürlich die Sprachbarriere (je nach Thematik kann das etwas unangenehm werden, wenn man sich nicht höflich auszudrücken weiß). Und zum anderen finde ich es als ehemaliger deutscher Kassenpatient einfach komisch, den Arzt in echtem Geld zu bezahlen. Wenn ich es richtig verstanden habe (ich kann es immer noch nicht ganz glauben), kann ein Arzt auch jeden beliebigen Betrag für eine Behandlung ansetzen. Immer schön vorher nach dem Preis fragen. Ich habe noch nicht versucht, den Preis  zu verhandeln, aber vielleicht wäre es beim nächsten Mal den Versuch wert.

Beim letzten Frauenarztbesuch hab ich nämlich beispielsweise 95 Euro dafür bezahlt, dass der Dr. mir  nach der – sagen wir mal großzügig – zehnminütigen Untersuchung einen Zettel zur Blutuntersuchung in die Hand drückt und mich wegschickt. Erst mal hab ich aber noch blöd geguckt, denn ich wusste nicht, dass die Arztpraxen hierzulande die Blutabnahmen nicht selbst vornehmen, sondern man dafür extra noch mal in ein Labor tingeln muss. („Soll ich mir das Blut jetzt etwa selber abnehmen, oder was?“, habe ich gedacht – und höflicher auch gesagt) Und das Labor will natürlich auch extra bezahlt werden. Die wiederum konnten nicht alle Untersuchungen bei ihnen im Labor vornehmen und schickten einen Teil meines Blutes also an ein zweites Labor. Die mir natürlich dann auch noch mal eine Rechnung schickten.

Das eigentliche Dilemma hat sich mir aber schon bei meinem ersten (von vier, ich hab grad mal nachgezählt) französischen Arztterminen offenbart: Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Herren und Frauen Doktoren hier einfach keine Ahnung haben. Dieser erste Arztbesuch war eine so genannte visite médicale, eine Art Amtsarztbesuch, die jeder Arbeitnehmer ab und an über sich ergehen lassen muss.
In diesem Zusammenhang habe ich schon die Frage nach meiner Verhütungsmethode nicht ganz nachvollziehen können, aber sei es drum. Frau Doktor erklärte mir daraufhin in aller Ausführlichkeit die Temperaturmethode als bestes Mittel der Wahl. Nein, nicht zur Empfängnis, sondern eben gerade zu deren Verhütung, soweit reichten meine Sprachkenntnisse schon damals. Der Satz „Also, wenn es jemand unseriöses ist, dann können Sie zusätzlich auch ein Kon.dom verwenden“ ist aus Arztes Munde schon ziemlich starker Tobak.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es mit der STD-Rate in Frankreich aussieht. Aber warum Frankreich bei der Kind-pro-Frau-Rechnung im europäischen Vergleich so weit vorne liegt, hat sich mir schlagartig erklärt. Und wir Deutschen, die immer denken, das liege an den zahlreichen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinstkinder…

(Kerstin aus dem Bienenstock machte übrigens weitaus skurrilere Arzterfahrungen in Frankreich)

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8 Gedanken zu „Des médecins

  1. Argh! Über das Thema muss ich nochmal einen langen Kommentar schreiben. 2 Schwangerschaften in Frankreich geben genug Stoff zum Erzählen. Kurzes Fazit: Französische Ärzte (und noch schlimmer Krankenhäuser) meiden!

  2. Ich lese deine Arikel stets mit grossem Wissensdurst und Freude. Wir verbringen jedes Jahr mehrere Wochen Urlaub in Frankreich. Nach deinen Ausführungen schätze ich es im Nachhinein umso mehr, dass ich in der Grande Nation noch nie zu einem Arzt gehen musste.

  3. Wenn du hier arbeitest, dann bist du doch krankenversichert? Klar, man muß vorlegen, aber man kriegts wieder, 70% weniger 1€ von der Sécu und den Rest von der Mutuelle, der Zusatzkasse – außer, man hat einen Arzt erwischt, der außertariflich praktiziert. Was ich tunlichst vermeide.
    Du solltest dir also einen Hausarzt suchen und den auch der Sécu mitteilen. Und der ist dann dein Ansprechpartner für so ziemlich alles. Mit seiner Überweisung werden die Rechnungen der Spezialisten bezahlt, ohne halt nur ein Teil.
    Wir sind jedenfalls mit unserer Hausärztin zufrieden, und bei ihr kostet eine Visite 23 Euro. Manchmal auch 23 Euro für zwei, wenn wir gleichzeitig kommen. Die werden mit der Carte Vitale gleich an die Sécu gemeldet, und von denen kriegen wir dann deren Anteil wieder: die 70% eben.

    Und ich kann dir garantieren, die kennt sich mit modernen Verhütungsmethoden (die in Frankreich immerhin schon seit den späten Sechzigern nicht mehr gesetzlich verboten sind) besser aus als die, die du da getroffen hast…

    • VIelen Dank für den Hinweis – ich wusste nicht, das man einen Hausarzt melden muss, um Spezialistenrechnungen von der Sécu bezahlt zu bekommen. Ich befürchte, der betreffende Arzt war tatsächlich nicht conventionné, oder irgendwie falsch (obwohl ich vorher extra nachgefragt hatte). So richtig blicke ich durch diese ganze Sache noch nicht durch. Für diesen Arztbesuch hab ich nämlich sage und schreibe 6 Euro von meiner Mutuelle bekommen und das war’s auch schon.
      Ich sollte mich da mal besser informieren (ich meide so Papierkramangelegenheiten eigentlich tunlichst, aber manchmal kommt mal wohl nicht drumrum).

      • 6 Euro? Das ist, wenn ich mich nicht verrechne, der Mutuelle-Anteil an einem ganz normalen Arztbesuch zu 23 Euro – oder auch ein bißchen weniger.

        WIr haben damals fast ein Jahr gebraucht, bis wir endlich Cartes Vitales hatten; als Ausländer bist du hier nicht besser als ein Marsmensch. Aber so langsam blicke ich durch, und wenn ich nicht weiter weiß, kann ich einen Freund anrufen, der bei der Aufsicht der Secu arbeitet.
        Den Masseur und Gymnasten hier um die Ecke habe ich auch nicht aufgesucht, weil er „non conventionné“ angeschlagen hat; statt dessen geh ich zum Nachbarn, dessen Cabinet etwas weiter weg ist. Und den kann ich eh nur weiterempfehlen, aber da du in Paris wohnst…

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