Des petits noms

Der Italiener nennt mich logisch folgerichtig gerne mal Patata.

Ihr versteht schon, als Deutsche liegt die Assoziation mit einer Kartoffel natürlich nahe. Soll mir recht sein. Besser als Schaa-aaatz oder Hasi ist es allemal. Zaubermaus oder ähnliches, ja, was soll man dazu sagen. Nicht so schön.Diese Patata landete tatsächlich mal in meinem Kochtopf.

Diese Patata landete tatsächlich mal in meinem Kochtopf

Mit einer neuen Sprache erschließt sich auch ein ganz neues Kosenamenuniversum. Wer käme im Deutschen schon auf die Idee, seinen Liebsten „mein Kaninchen“ (mon lapin) zu nennen, bei aller Ähnlichkeit zum Hasi?

In dieser Hinsicht bin ich ganz froh, an einen Italiener geraten zu sein und nicht an einen Franzosen. Ich mag vielleicht nicht völlig objektiv sein, wenn ich behaupte, dass stellina (mein Sternchen) oder amoremio doch wirklich fabelhaft romantisch klingen. Aber spätestens der Vergleich mit mon chéri (nicht die Praline) und ma douce (mein Sanfte) zeigt doch: Das Französische mutet manchmal, wie sag ich es politisch korrekt, etwas schwuchtelig an. Das bestätigen übrigens auch Engländer, Spanier und Co. Mögen Französinnen noch sexy klingen – bei Franzmännern zieht der Akzent im Ausland nicht so richtig.

Aber mal ganz abgesehen von der Aussprache: Wer bitte möchte denn ma pupuce (mein Flofloh) oder mon canard (meine Ente) genannt werden? Meine Katze hatte früher mal Flöhe, das war kein Spaß. Ma bichette (mein Rehlein) und mon poussin (mein Küken) sind da schon schmeichelnder. Auch wenn ich persönlich jetzt nicht so auf niedliche Verkleinerungen stehe. Ganz schlimm, wie im Englischen, meiner Meinung nach: mon bébé.

Immer wieder schön hingegen ist der auch gern doppelt bemühte Kohl. Wir erinnern uns, darin werden die französischen Bébéjungs geboren und danach werden sie auch gern genannt: mon chou oder eben mon chouchou. Oder chabichou.

Das geht dann in die gleiche Richtung wie ma louloute – will nicht viel heißen, klingt aber nett.
Nun, zumindest im Franzosen-Ohr.

Advertisements

4 Gedanken zu „Des petits noms

  1. Herrlich, dein Exkurs in die Welt der Kosewörter. :-)
    Die Deutschen verwenden offensichtlich nicht viel andere Ausdrücke als wir Schweizer. Mein Mann und ich sind da eine Ausnahme. Was wir uns liebevoll gemeint an den Kopf werfen, tönt für Aussenstehende mitunter etwas derb. „Honig“ wie bei den Angelsachsen ist es jedenfalls nicht. In Amerika nervt mich jeweils, dass nahezu jeder von jedem als Honey betitelt wird. In verdeutschten Filmen tönt dieses „Schätzchen“ einfach nur dämlich. Aber der französische Kohl ist ja auch nicht über jeden Zweifel erhaben.

  2. Gnihi. Ich biete „ma petite loutre farci en sucre“. Und ansonsten lässt Nicht-Raymond wenig Zeit zum Lesen und Kommentieren bei Dir :)

    • Hui, das ist nicht gerade der handlichste Kosename – aber dafür sehr schön einzigartig! Bei loutre musste ich doch eben bei leo.org vorbeischauen (Fischottern laufen einem hier in Paris nicht so oft über den Weg).

      So viel gab’s hier ja in letzter Zeit nicht zu lesen, aber ich gelobe produktive Besserung.

      Einen lieben Gruß an Nicht-Raymond!

  3. Deine Bemühungen um politische Korrektheit bei der Bezeichnung von Franzosen haben mich sehr amüsiert, aber es eben doch auf den Punkt gebracht.
    Liebe Grüße nach Paris!
    Kerstin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s