Heimat

Ich bin nur ein gefühltes Nordlicht.

Nein, genetisch gesehen bin ich es sogar auch: Meine Eltern wuchsen nämlich nördlich der Benrather Linie auf. Ich erinnere mich dunkel an endlose Verwandtschaftsfeiern, auf denen lustige Reden auf Plattdeutsch gehalten wurden. Ich nehme zumindest an, dass sie lustig waren, denn schließlich sind Familienfeierreden dafür bekannt und Tanten und Onkels klatschten sich auch die Schenkel.
Da ich allerdings in einem unserer beiden südlichsten Bundesländer (kleiner Tipp: es ist kein Freistaat und man schreibt es mit m und tt in der Mitte) groß wurde, verstand ich kein Wort. Andersrum geht das auch: Meine Urgroßmutter kam uns einmal dort unten besuchen. Sie hörte unsere Nachbarn im breitesten Badisch schwätzen und fühlte sich dann doch zur Nachfrage genötigt. Spricht man denn hier schon Französisch? Sie verstünde kein Wort.

In der Mitte die Urgroßmutter, umringt von echten Nordlichtern.

Ich wäre gern ein echtes Nordlicht. Menschen im Süden sind komisch. Sie sprechen fies (auch wenn ich im Gegensatz zur Uroma verstehe, was sie sagen). Im Norden wiederum wissen die Menschen sich zu benehmen und zu sprechen, sie sind höflich, größer und klüger.
Diese Wahrheit habe ich wohl schon deshalb früh erkannt, weil meine Mutter uns Kindern gewissenhaft beibrachte, dass es in Norddeutschland nicht schöner wie, sondern schöner als im Süden sei.

Nach dem Abi zog es mich dann natürlich in das Land, wo Milch und Honig fließt und wo man Leeze statt Fahrrad sagt und wo wo nicht als als missbraucht wird. Und sprachlich wurde ich nicht enttäuscht. Meteorologisch hingegen schon. Und das Land war so platt. Und der nächste Badesee war fürchterlich weit (was an den drei einzigen heißen Sommertagen im Jahr ein echtes Problem ist). Und Schupfnudeln und Dampfnudeln und Maultaschen. Die gab es nicht.

Ab nach Paris also. Da ist immerhin das Wetter gut. Also dann, wenn der Smog die Luft nicht trübt.
Und das Essen. Wenn man viel Geld ausgeben will.
Und die Sprache ist so schön. Richtig richtig lernen wird man sie wohl aber eher nie.
Charmant sind sie aber, die Franzosen. (Also, das, das ist einfach nicht wahr.)

Home is where my heart is, sagen die klugen Briten.
Mein Herz hängt ein bisschen hier und ein bisschen dort und ein wenig da. Eigentlich ganz schön.

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