De la bouffe

Eben noch zwei Kleinigkeiten einkaufen.

Das war mein Vorsatz, als ich nach dem Büro noch im Franprix vorbeigeschaut habe. Ergebnis siehe Photo plus € 17.40 weniger auf der Carte Bleue, wie die Kreditkarte hier landläufig heißt.

Ich war noch nie gut im Umgang mit Geld und auch wenn ich zwar schon in den günstigen Supermarkt gehe und versuche, die günstigen Produkte auszusuchen – unter 20 Euro, so wie heute, schaffe ich das selten genug. Nebenbei bemerkt: Wie man sieht, kommt die Bio-Welle jetzt auch hier an. Da ich bei Fertigprodukten wie diesen Tortellini jetzt ohnehin nicht gerade gesundheitsbewusst einkaufe, gab’s in diesem Fall die Bio-Dinger einfach deshalb, weil es tatsächlich die günstigsten waren (und weil ich zu faul war, mir was Richtiges zu kochen – und der Italiener geht unverschämterweise lieber ins Kino, anstatt mir was zu kochen). Die Bio-Welle jedenfalls will hier aber nicht so hundertprozentig greifen wie in Deutschland, so mein Eindruck. Vielleicht sind die Marketingstrategen hier weniger begabt. Oder es liegt daran, dass die Franzosen ohnehin sozusagen von Natur aus schon mehr darauf bedacht sind, „ordentlich“ zu essen und darauf Wert legen, wo ihr Essen her kommt (und damit meine ich nicht, von welcher Supermarktkette sie es geholt haben).

Abgesehen von vielen kleinen Wochenmärkten finden sich hier zum Beispiel noch viele der in Deutschland bis auf Bäcker und Metzger rar gewordenen Spezialitätenläden (und selbst Bäcker und Metzger werden ja in Deutschland mehr und mehr vom Supermarkt vereinnahmt) wie den Käse- oder Weinverkäufer. Ja, schon klar, was auch sonst…
Am Anfang meiner Zeit in Frankreich war ich ganz erstaunt über die erste Frage, die Heimgebliebene den frisch aus dem Urlaub Zurückgekehrten stellten: „Habt ihr da gut gegessen?“. Mir kam doch eher das typische „Hattet ihr gutes Wetter und war es schön da?“ in den Kopf.
Mittlerweile weiß ich, dass es für den Franzosen einfach wichtiger als für den stereotypen Deutschen ist, gut zu essen. Man nimmt sich Zeit dafür, es gibt meist mehrere Gänge oder doch zumindest etwas Käse zum Nachtisch. Ich werde den Satz meiner Kollegin nicht so schnell vergessen, als sie mich zum Einkaufen für das Mittagessen schickte: „Oh, und kauf auch etwas Yoghurt oder auch Ziegenkäse!“ Yoghurt oder Ziegenkäse? Für Marie war das austauschbar, schließlich isst man beides nach dem Hauptgang.
Wer schon mal in einem französischen Supermarkt war, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass die Franzosen ein kleines Problem mit Yoghurt haben. Einen einzelnen Becher kann man schon mal gar nicht kaufen, es gibt mindestens Vierer-Packs (mit mindestens einer Sorte, die man jetzt eigentlich nicht unbedingt gekauft hätte, aber man will jetzt nun mal Waldbeere haben und anders kombiniert gibt’s den nicht). Oder Achter- oder Sechzehner-Packs. Und die Yoghurt-Auswahl nimmt ganze Gänge in Beschlag. 0% Fett, 0,1 % Prozent Fett, Soja-Yoghurt, neuerdings Bio-Yoghurt usw. Wer hingegen frische Milch sucht, der muss ganz unten links in die verschämteste Ecke des Kühlregals gucken, da finden sich mit Glück zwei oder drei Plastikflaschen.

Auf der einen Seite finde ich das französische Verhältnis zum Essen sehr schön und ich habe es hier gelernt, Essen nicht nur als Sattmacher zu betrachten, sondern als etwas, das Kultur tragen und vermitteln kann. Aber manchmal finde ich es auch ein wenig anstrengend. Wenn man eigentlich nur eine gute Bekannte mal Abends auf ein Bierchen und eine Knabberei einladen will, da wird irgendwie mehr erwartet. Wenn schon nix Warmes, dann doch eine kleine Auswahl an Käse und Aufschnitt, etwas Obst, einen guten Wein und und und. Und das führt dann dazu, dass man sich meist auswärts trifft, denn wer hat schon Lust, immer ein kleines Buffet zu organisieren, wenn einem eigentlich nur nach einem Pläuschchen ist.

Achso, noch ein Letztes, für alle die beim Anblick eines Franzosen gleich innerlich „C’est bon, c’est bon, Géramont, Géramont“ anstimmen – diesen Industriekäse gibt’s hier nicht, gab es noch nie und wird es auch hoffentlich nie geben.

Und jetzt werd ich mir erst mal was Ordentliches kochen.

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5 Gedanken zu „De la bouffe

  1. Das Einkaufen in Frankreich – sei es in einem Supermarkt oder auf dem Markt – gehört für mich zu den tollsten kulinarischen Erlebnissen nebst dem Essen. Aber ich gebe kleinmütig zu, dass auch ich beim Anblick der Joghurt-Auswahl kapituliere.

  2. So, zurück de la maternité (und Sohn Nr. 2 heisst nicht Raymond :)). Schön, dass Du übers Essen schreibst, dass ist ein Punkt zu Frankreichs Gunsten :) wobei gerade ein Weihnachtsessen seeeehr anstrengend werden kann. Ich gestehe mich nach dem ersten hier aus schierer Menge übergeben zu haben, dabei hatte ich noch nicht mal von allem gekostet :)

    • Oh, herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe, Nicht-Raymond und dem Rest der Familie geht es gut. Habt eine schöne Kennenlernzeit zusammen!

      Ein Weihnachtsessen habe ich hier noch nicht erlebt – aber dafür eine Sylvester-Cenona in Italien. Das Ergebnis war bei mir das gleiche…

  3. mmmhhh … ich liebe gutes Essen. Oder anders herum: Ich muss gut essen. Sonst kriege ich schlechte Laune. Ist tatsächlich so. Gut heißt: frisch, viel Gemüse oder Salat, abwechslungsreich, lecker zubereitet. Und ich liebe französische Käsetheken, auch wenn ich vor der Vielfalt kapituliere (Joghurt esse ich nicht so oft ;-))
    Was mich in Frankreich am Essen „ängstigt“, das sind die vielen „Sauereien“, die es dort auch gibt: Gänseleber, Austern, Schnecken etc. – aber das muss man ja nicht mögen. Gibt Genug Alternativen. bon appetit

  4. BIO ist in Frankreich nicht in; die wissen gar nicht, was das soll. Beispielsweise Bio-Wein, der per definitionem nicht geschwefelt ist… „Wein ist immer bio, ist doch von der Pflanze!“ Hm tja… Fleisch ist auch immer bio, ist ja aus der Sau geschnitten.

    Und: doch, es gibt Päckchen mit nur zwei Joghurt, und die auch noch von derselben Sorte – aber die waren mir immer zu teuer. Inzwischen mach ich eh meinen Joghurt selber, den vertrage ich besser.

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