Du métropolitain

Man kennt ja diese Bilder aus der U-Bahn in Tokio.

Wo sich die Türen nur noch schwerlich schließen und resigniert blickende Japaner alle auf einmal einatmen müssen, um etwas Bewegungsspielraum zu haben.

So ist das hier Gott sei Dank nicht. (Und in Tokio, so habe ich mal gelesen, übrigens auch nicht oft. Eine FlickR-Suche förderte dann auch nur solche, eher entspannte BildR zu Tage:)

Aber da ich in einer mittelgroßen deutschen Stadt groß geworden bin, gab es für mich früher nur Sraßenbahnen und keine Metro wie hier und ich brauchte in Paris erst mal eine kleine Eingewöhnungsphase. Die ersten Fahrten war ich fast etwas aufgeregt und fühlte mich ganz schön toll. Gleichzeitig war ich damit beschäftigt, die Leute nicht zu lange anzugucken, denn irgendwo hatte ich gelesen, dass diese Pariser extrem unfreundlich sind und dann wütend werden (aus meiner Erfahrung werden sie zwar nicht unbedingt wütend, gucken aber dumm zurück).

Anfangs musste ich, um zur Arbeit zu kommen, gut 40 Minuten U-Bahn fahren (ein Weg). Da habe ich mir dann angewöhnt, währenddessen zu lesen (denn so interessant sind diese Pariser auf Dauer dann auch nicht anzusehen) und auf diese Weise schafft man dann doch ganz schön viele Bücher. Da ich bei meiner jetzigen Arbeit eigentlich nichts anderes mache als Lesen und Worte von A nach B schiebe, bin ich eigentlich ganz froh, wenn ich einen Sitzplatz bekomme und die Augen solange zu machen kann, bis ich wieder aussteigen darf. Denn viel zu sehen, außer eben diesen doch gar nicht so spannenden Parisern gibt es irgendwie nicht. Abgesehen übrigens von Linie 2, 5 und 6, die eine Teilstrecke oberirdisch zurücklegen (Linie 5 ist dabei zu empfehlen, denn sie überquert die Seine am Pont d’Austerlitz und man kann von dort einen Blick auf Notre Dame erhaschen). So hätte ich vor ein paar Monaten allerdings auch fast eine Werbeaktion von Sonia Rykiel für H&M verpasst, die zwei stillgelegte Metrostationen dank einer Schwarzlichtinstallation wieder belebte (mehr dazu hier und hier für interessierte Frankophone).

Einmal jedoch, ich glaube es war 2007, da gab es hier doch Tokioer Zustände. Denn es wurde, wie so gerne in Frankreich, gestreikt. Normalerweise hat das keine großen Auswirkungen, außer ein paar Minuten Wartezeit und ein paar Mitreisenden pro Metro mehr. Dieser Streik war aber etwas ernster, denn es kam, wo sonst eine Bahn alle zwei Minuten verkehrt, nur noch eine pro Stunde. Mit Glück. Mit noch mehr Glück schaffte man es auch, in diese einzusteigen (Faustregel hierbei: Es geht immer, immer, noch jemand rein).
Glücklich genug fand ich mich also in einer der dennoch fahrenden Metros wieder. Eine Stange zum Festhalten fand ich keine, war aber auch gar nicht nötig, denn ich war so zwischen diesen Parisern eingeklemmt, dass ich gar nicht hätte umfallen können. Meine rechte Hand sah ich nicht mehr, denn mein Arm steckte zwischen zwei Körpern fest, die Hand dahinter. Soweit, so anstrengend. Aber dann, auf einmal, mittem im Gewühl eine Geste der Zärtlichkeit: Ich fühlte, wie einer dieser Pariser – und ich konnte natürlich nicht sehen, welcher – meine Hand ganz sacht in die seine nahm.

Und da sagt noch mal jemand, diese Pariser seien unfreundlich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s