À la maison

Eigentlich hat es ganz beständig angefangen.

Diese Sache mit mir und dem Wohnen. Meine Eltern bauten ein Haus als ich vier war und von dort an wurde ich darin groß. Mit eigenem Zimmer und Auslauf im Garten und auf den Feldern rund um das Haus.

Dann kam das Studium und die erste WG. Nach vier wunderbaren Jahren löste sich unsere Dreierwohngemeinschaft auf. Die eine wechselte fürs Referendariat die Stadt, die andere zog es in eine Ein-Zimmer-Wohnung und mich nach Paris. Im Verlauf der Wohnungsauflösung fluchte ich erst: Nie wieder Umziehen! Und dann irgendwann wünschte ich mir: Nie wieder Wohnen! Ich weiß nicht, wie viele große blaue Müllsäcke wir aus der WG-Küche geschafft haben – da wurden wahre Schätze zutage geliefert, bei manchen musste man sich auch wundern, dass sie uns nicht schon zuvor von alleine entgegen gelaufen waren. Ich erspare meinen werten Lesern die Einzelheiten.

Und dabei fing es da gerade erst an, die Sache mit mir und dem Wohnen.
In den letzten vier Jahren bin ich, das habe ich gerade mal nachgerechnet, zehn Mal umgezogen. Zehn Mal, im Schnitt also alle fünf Monate. Wohnen ist in Paris nicht immer die größte Freude.

Nein, das ist auch nicht ganz fair. Mein Erker-Zimmer mit Parkett und Ausblick, das war schon was. Den Anfang machten jedoch Wohnheimzimmer mit unerträglichen Mitbewohnern oder WG-Zimmer mit einer Metrostunde Entfernung zum Arbeitsplatz oder Stadtzentrum. Und für das erste Einzimmerappartement war eine Monatsmiete schon im Voraus bezahlt, da entdeckte ich einen krabbligen Mitbewohner. Am hellichten Tag einer Kakerlake zu begegnen ist normalerweise kein gutes Zeichen. Und da ich insgesamt nur 11 Quadratmeter mit diesem ungebetenen Gast und seinen zahlreichen Brüdern und Schwestern zu teilen hatte, entschied ich mich kurzerhand, die 400 Euro Miete (ja, 400 Euro für 11 Quadratmeter, richtig) als Lehrgeld zu verbuchen und dort gar nicht erst einzuziehen. Kakerlaken begegnete ich daraufhin nicht mehr, zwei Jahre später lernte ich jedoch, was Bettwanzen sind und wie unerbittlich ihre Bisse jucken.
Meine Magisterarbeit schrieb ich zuvor in einer so genannten Chambre de Bonne, das waren ehemals die Schlafgelegenheiten der Zimmdermädchen unterm Dach der stattlichen Pariser Häuser, die jetzt gerne an Studenten vermietet werden. 7 Quadratmeter maß das Ensemble: Bett, Küchenzeile, Dusche, Schreibtisch und Schrank waren darin untergebracht, Klo auf dem Flur. Das ganze für den Freundschaftspreis von 350 Euro warm (immerhin). Wer das kaufen will, kann das für rund 14.000 Euro tun. Also, pro Quadratmeter, versteht sich.

Ganz legal war dieses Wohnarrangement übrigens nicht (obgleich praktisch: wenn ich mir am Schreibtisch den Kopf über Luhmanns Systemtheorie zerbrach, konnte ich mir ohne aufzustehen zur Erfrischung ein Getränk aus dem Kühlschrank holen). Normalerweise muss eine Wohnfläche in Frankreich mindestens 9 Quadratmeter betragen, oder – der Knaller – 30 Kubikmeter. Nur hoch genug muss es sein. Im Prinzip geht also auch ein Schornstein durch.

Ich habe übrigens aufgehört, mich mit deutschen Freunden über Mietpreise oder ähnliches zu unterhalten. Und das ein oder andere Mal frage ich mich schon, warum ich mein Leben unbedingt nach Paris verlegen musste.

Paris ist eben Paris, weiter bin ich mit einer Antwort noch nicht gekommen.

Neulich morgens, der Blick aus unserem Wohnzimmer, Paris wacht gerade auf.

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4 Gedanken zu „À la maison

  1. Wow, dein Umzugsschnitt ist noch besser als meiner mal war. Ich kam über Jahre auf einen Durchschnitt von ein Umzug pro Jahr ;-) – inzwischen bin ich recht sesshaft geworden. Die leztzte Wohnung beheimatete mich ganze sechs und diese schon fast vier Jahre :-)
    Und Paris, ja, deine Beschreibung erinnert mich an die privaten Unterkünfte, die ich dort gesehen habe. Hoffe, es lässt sich trotzdem gut aushalten und du findest den Weg in angenehmere Behausungen. LG mayarosa

    • Dankeschön, liebe Mayarosa! Mittlerweile sind es ja wie der Blog verrät fast 37 Quadratmeter, der Ausblick kann sich sehen lassen und ich hoffe, dass aus den vier Monaten, die wir jetzt hier wohnen noch viele mehr werden. Viele Grüße aus der Capitale!

    • Das tun wir tatsächlich und das ist auch immer toll – es sei denn, der Aufzug streikt (so wie heute morgen, aber runterlaufen geht ja noch. Ich hoffe einfach mal, bis ich heute abend wieder da hoch darf, ist der repariert…).

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