V wie Fiktor

Heute ist ein guter Tag.

Denn ich war endlich endlich bei der Blutabnahme, die ich schon seit Wochen vor mir herschiebe (es war nur zur Kontrolle, keine Eile also). Ich hab keine Angst vor dem Pieks und auch nicht vor Nadeln. Mein Körper – oder meine Psyche? – spielt mir aber dennoch gerne dabei einen Streich und schon falle ich in die Äpfel. Also, so würde das jetzt wörtlich ein Franzose sagen. Tomber dans les pommes – ohnmächtig werden.

Die Franzosen haben es generell mit Obst in ihren Sprichwörtern. Wer einen Kompromiss fndet, der schneidet die Birne entzwei. Wenn man bei Kompromissen generell über den Tisch gezogen wird, ist man stets die gute Birne und lässt sich fast alles gefallen. „Ich hab den Pfirsich“, sagt derjenige, der gute Laune hat.

Mein Lieblingssprichwort entspricht ungefähr unserem deutschen „seinen Senf dazugeben“. Nur hier ist es nicht der Senf, sondern eine Erdbeere. „Jetzt muss der schon wieder seine Erdbeere mitbringen“. Ich sehe vor meinem inneren Auge dann automatisch die betreffende Person mit einer riesigen Erdbeere in den Händen.(Heute mal wieder ein Retortenbild, wegen der Ökobilanz)

Auch gemüsetechnisch sind die Franzosen gerne dabei. Babyjungs werden hier zum Beispiel nicht vom Storch gebracht, sondern im Kohl geboren (die Mädchen in den Rosen).

Naja, manchmal sind sie eben etwas komisch, die Franzosen. Aber diese Obstsprüche gestalten wenigstens das Lernen ihrer Sprache noch ganz angenehm (selbst die Ohnmacht wird da gleich ein wenig sympathischer).

Der Italiener findet das mit dem Deutschlernen nicht immer so lustig und ich bin heilfroh, dass ich das nicht alles pauken muss. Ganz am Anfang seiner Übungsstunden las er mir das Telefon-Alphabet aus dem Kursbuch vor (A wie Anton usw). Beim V angekommen, ging das dann so: “ V wie Fiktor“ – „Nein, V wie Viktor.“ – „V wie Wiktor?“.

Sprachen sind eben etwas Wunderbares, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes.
Und Tage wie heute, an denen man trotz Blutabnahme nicht in die Äpfel fällt, sind es auch.

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3 Gedanken zu „V wie Fiktor

  1. Hach was sind die Romanen – in diesem Fall die Franzosen – doch romatisch. Die Spanier bezeichnen ihren Liebsten, ihre Liebste – also ihre bessere Hälfte – als halbe Apfelsine, mi media naranja. Und schön, dass du nicht in die Äpfel gefallen bist :-)

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