Des chaussures

Im Winter Turnschuhe, im Sommer Flip-Flops.
So war das bis vor ein paar Jahren.

Und dann kam ich nach Paris. Ungefähr ein Jahr hat die Stadt gebraucht und dann war es so weit: Ich kaufte meine ersten Pumps. Und kurz darauf die ersten Stiefel mit Absatz. Wunderschön sind sie, das finde ich auch heute noch und zu besonderen Gelegenheiten führe ich sie auch stolz aus (mittlerweile sieht das auch nicht mehr ganz so storchig aus, bilde ich mir zumindest ein).

In den Alltagsgebrauch haben sie es allerdings nicht geschafft. Denn es brauchte nicht ganz ein Jahr und meine Füße hatten mich davon überzeugt, dass sie sich nicht an den Absatz gewöhnen werden – aua.

Für die Turnschuhe im Dauereinsatz war es mittlerweile aber zu spät. Diese grazilen, französischen Demoiselles und ihr Stil hatten es mir allzu sehr angetan. Klassisch, und dennoch nicht einfallslos oder langweilig – und vor allem mit einer Haltung getragen, einfach zu beneiden.

Eine Zeitlang hatte ich sozusagen zwei Garderoben. Für den Besuch in der Heimat packte ich die ausgewaschenen Jeans in den Koffer, im neuen Zuhause holte ich das kleine Schwarze aus dem Schrank.
Denn eins ist klar: Wer nicht gerade in Düsseldorf wohnt und trotzdem auf Absatzschuhen durch eine deutsche Stadt töckelt, der kann ja im Prinzip gar nichts anderes als FDP-Wähler oder zumindest BWL-Student sein. Umgekehrt ist auch Frankreich nicht vorurteilsfrei – ich konnte mich hier zumindest im legeren Stil Berliner Freunde gekleidet nie so richtig wohl fühlen.

Es könnte mir natürlich ganz egal sein, was Deutsche oder Franzosen vielleicht von meinen Klamotten halten könnten. Ist es mittlerweile auch ein wenig – aber nicht so ganz. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht in jeder Situation selbstbewusst auftreten kann, sondern mir vielmehr meiner selbst zu bewusst bin (leider bereitet das Deutsche diesen Unterschied sprachlich nicht so schön auf wie das Englische mit self-confident und self-conscious – oder fällt mir nur nicht das passende deutsche Wort für letzteres ein?).

Sind französische Frauen emanzipierter (das Dilemma „Karriere oder Familie“ stellt sich hier nicht so dringlich wie in Deutschland) und können es sich deshalb eher erlauben, stolz ihre weiblichen Züge zu betonen? Aber welche Absatzhöhe müssten dann erst die Skandinavierinnen tragen?!
(Über Absätze und Emanzipation gibt es übrigens hier einen schönen Artikel auf einem Blog, der mir manches aus der Seele schreibt)

Mittlerweile habe ich (nicht nur modisch, sondern auch generell) ganz gut meinen Platz im deutsch-französischen Kulturgefüge gefunden.
Schuh- und absatztechnisch sieht das dann zum Beispiel so aus:

Italienisches Modell.
(Ist ja irgendwie auch nicht weiter wunderlich. Habe ich mich doch auch im Liebesleben für ein italienisches Fabrikat entschieden.)

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4 Gedanken zu „Des chaussures

    • Das kann ich verstehen – wie Du gelesen hast, hatte ich da ja auch so meine Probleme. Das mit höchstens (!) 36 ist erschreckenderweise sehr richtig.
      Vorteil: Die normalen Größen bleiben für mich übrig…

  1. Lustig, ich kenne ja nicht so viele Französinnen, aber die eine, mit der ein Freund von mir aus Hamburg nach Bordeaux gezogen ist, die entspricht so überhaupt nicht dem Bild, das du hier beschreibst. Vielleicht hat Emmanuelle in ihren Hamburger Jahren deutsche Gewohnheiten übernommen und nach Frankreich mitgenommen :-)

    • Das mag sein – oder ihre offensichtlich ja vorhandene Affinität für Deutschland kommt vielleicht auch nicht von Ungefähr…
      Ich müsste bei meinen Artikeln eigentlich auch etwas mehr hervorheben, dass mein Bild der Franzosen ja hauptsächlich durch Paris beeinflusst ist – in anderen Städten oder auf dem Land sieht das wahrscheinlich ganz anders aus.

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