Vom Sammeln und Bloggen

Schon als ich ein Kind war, dauerten meine Hobbies nicht lange.

Rollschuhfahren, Schachspielen, Häkeln – nichts war von Dauer. Ich erinnere mich auch noch gut an die doch mehrmonatige Phase, in der ich es mit meinem besten Schulkamerad anging, Murmeln zu sammeln. Briefmarken hatte ich zuvor schon einmal ausprobiert, aber die waren mir zu zart und verlangten zu viel Zubehör (Pinzetten, Sammelalben, Feinmotorik). Als die Murmeln an der Reihe waren, müssen wir ungefähr zehn Jahre gewesen sein. Zu alt vielleicht, als dass es uns gefallen hätte, mit den Kugeln zu spielen. Was uns reizte, war, die Dinger zu horten. Noch Jahre später lagen sie in meinem „Jugendzimmer“ in solchen Glasbehältern, die normalerweise Bonbons darbieten.

Mittlerweile bin ich die Trauzeugin des damaligen Schulfreundes gewesen und weiß von den Plänen zum Hausbau des Brautpaars. Ob seine Murmelsammlung noch vorhanden ist und mit umziehen wird, weiß ich allerdings nicht. Fast möchte ich sagen, es würde mich nicht wundern. Schon seine Eltern waren wahre Sammler. Jahrelang ging ich bei ihnen zu Hause ein und aus und fand so einiges normal, was ich heute als leicht verschroben – aber durchaus liebenswert – empfinden würde. Das Ticken und Klingeln der über hundert versetzt laufenden Kuckucksuhren beispielsweise bemerkte ich nicht mehr (allerdings wusste ich auch nie, welches Zifferblatt die richtige Uhrzeit anzeigte).

Mein Bruder entwickelte vor ein paar Jahren einmal die Theorie (er entwickelt gerne Theorien), dass Menschen je nach ihrer Freizeitbeschäftigungen letztlich in zwei Sparten eingeteilt werden können. Zum einen sind da die Sammler: Briefmarken, Uhren, Murmeln etc. sind ihre Leidenschaft. (Ich vermeide jetzt bewusst jegliche, an den Haaren herbeigezogene, Allusion an unsere Jahrtausende weit entfernten Sammler- und Jäger-Vorfahren und Theorien, die so gern dazu verwendet werden, im Bestfall geschlechtsspezifisches Verhalten zu erklären). Neben den Sammlern gibt es die wahren Hobby-Anhänger, so mein Bruder. Sie werden in ihrer Freizeit aktiv, sind Golfer, Bastler, Blogger…

Inwieweit die Theorie empirischen Untersuchungen standhält, wäre vielleicht eine Abschlussarbeit in Soziologie wert (Bachelor, würde ich sagen), aber bis ein Student auf diese Idee kommt, sei ihr Wahrheitsgehalt mal dahingestellt. Einmal kurz „Murmeln sammeln“ bei Google eingetippt, scheint zumindest die eine Seite der Theorie zu bestätigen: 431.000 Resultate in 0,26 Sekunden.

Ich für meinen Teil weiß schon mal, wer die Ausnahme dieser Regel bildet. Wo meine Murmelsammlung mittlerweile gelandet ist, weiß ich nicht einmal. Und ich habe zwar einen Pass fürs örtliche Schwimmbad, aber der Abstand zwischen den Besuchen dort wird bedenklich lang und länger. Auch die diversen angefangenen Tagebücher wurden übrigens niemals zu Ende geführt (und leider weiß ich auch hier nicht, wo sie gelandet sind).

Wieso also ein Blog? Ist es doch nichts anderes als ein Web-Tagebuch, eine Art Hobby also?
Ich versuche mich an einer Antwort (und hoffe, sie wird sich als wahr erweisen und ich erliege nicht wieder einer dieser ärgerlichen, kurz aufflackernden und schnell verbrannten Leidenschaften für ein vermeintlich neues Hobby):

Wenn es eines gibt, das trotz aller abgelegten Sammelleidenschaften und Hobbies dennoch in meinem Leben Bestand hat, dann ist es das Vergnügen, das es mir bereitet, mit Menschen in Kontakt zu sein. Ihnen zuzuhören, neue Perspektiven eröffnet zu bekommen, eine gute Zeit zusammen zu haben. Und natürlich auch, von ihnen gemocht zu werden…

„Freunde treffen“ geht nicht als richtiges Hobby durch. Wenn es mir also gelingt, hier aus meinem Leben zu erzählen und am Ball zu bleiben, weil ich mich darüber mit ein paar netten Menschen auszutauschen kann, vielleicht darf ich dann das Bloggen offiziell als mein Hobby aufführen?! Ein Hobby, das dauert?

Und das würde dann für meinen Fall doch tatsächlich die Theorie meines Bruders bestätigen. Fast möchte ich sagen: Schade, dass meine Abschlussarbeit schon geschrieben ist.

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3 Gedanken zu „Vom Sammeln und Bloggen

    • Vielen Dank für die warmen Worte (ein Kommentar, ein Kommentar!).
      Jetzt, da die Murmel ins Rollen gekommen ist, erscheint es mir auch ganz einfach und ich sammle stetig im Geiste Ideen für neue Beiträge (und bin frohen Mutes, diese auch umzusetzen).

      • ein bissel geduld braucht es. schreibe für dich, und nicht für die anderen. bleib bei deinem Stil (den du hast!) und kopiere nicht. (bei mir dauerte es ein halbes jahr, bis das Blog lief…)

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